Ein Mann wie eine Sphinx: Weltmeister Kimi Raikkönen bei der Rallye-WM

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Neben Rallye-Rekordweltmeister Sébastien Loeb war er der eigentliche Star der Veranstaltung. Doch Kimi Räikkönen (30), Formel-1-Weltmeister 2007, war wie eine Sphinx bei der ADAC Rallye Deutschland, die er am Wochenende als Siebter im Gesamtklassement beendete. Und sein Gastspiel in und um Trier im Kreis der Quertreiber-Ästheten, wird vermutlich sein einziges gewesen sein.

Doch. Er war es wirklich. Er hat wirklich in diesem Auto gesessen. Wir haben es selbst gesehen, auch wenn wir im Servicepark lange warten mussten, bis sich die Fahrertür des Citroën C4 WRC mit der Nr. 8 etwas mehr als nur geschätzte drei bis 3,5 Zentimeter geöffnet hatte. Und reden konnte er auch. Per Handy jedenfalls. Mit der Freundin vielleicht. Und – ohne Handy – mit seinem Renningenieur, mit dem er sich kurz schloss, nachdem er nach scheinbar endlosen Minuten aus seinem stabilen Fahrerkäfig gekrabbelt war.

Kimi Räikkönen. Der Nordmensch war schon immer eine Nummer für sich. Auch in seinen insgesamt neun Jahren in der Formel 1. Sauschnell, aber introvertiert. Ein Mann wie eine Mimose. Wie einer, der das Licht der Öffentlichkeit scheut, aus Furcht, er könne dabei das Augenlicht verlieren. Die riesige Sonnenbrille ist wie eine zweite Haut, die ihn vor dem „bösen Blick“ seiner Umgebung schützen soll. Aussagen zu seinem Auftritt am Wochenende hatten Seltenheitswert. Sie reichten von „Kein Kommentar“ bis zu „Es geht jetzt etwas besser.“

Er werde sein Bestes geben, müsse aber sehen, dass er sicher ins Ziel komme, ließ der bleichgesichtige Skandinavier vor der „Deutschland“ über den offiziellen Pressedienst verlauten. Keine Frage, der Pedal-Artist macht als Seiteneinsteiger der späten Jahre in einem Metier, das der Nachwuchs ab dem 16. Lebensjahr erlernt, einen guten Job. Er fährt beständig zwischen den Rängen fünf und zehn, sein Name hilft der FIA, den Wettbewerb aufzupolieren. Aber, und daran dürfte kein Zweifel herrschen, es handelt sich um eine „Erscheinung auf Zeit“ in der Rallye-WM.

Riesigen Spaß, das hatte er bereits im vergangenen Jahr nach den ersten Fahrversuchen gesagt, mache ihm das Fahren auf Schotter, Asphalt, Schnee und Eis. Man darf es ihm abnehmen, dass das so ist. Des Geldes wegen macht der knabenhafte wirkende 30jährige mit dem Engelsgesicht das nicht. 37 Millionen Dollar, so wird kolportiert, soll er 2008 als Champion der Königsklasse bei Ferrari verdient haben. 17 Millionen Euro dürfte er von der Scuderia bekommen haben, damit er vor Jahresfrist das Cockpit für den Spanier Fernando Alonso geräumt hat.

Auch sein Sitz im C4 World Rallye Car, einem Auto, das technisch identisch mit dem Loeb-Fahrzeug ist, wird aller Voraussicht nach in der nächsten WM-Saison frei werden. Sein Platz ist in der Formel 1, und dorthin wird er im Auftrag von „Red-Bull“-Eigner Dietrich Mateschitz 2011 wohl auch zurück kehren. Warum sollte ein begnadetes Fahrer-Naturell eine Serie, in der maximal Fünfter oder Sechster werden kann, einem Wettbewerb vorziehen, in dem er (wieder) Weltmeister werden kann?

Einen veritablen Grund für diese Annahme gibt es nicht und deshalb wird darüber spekuliert, dass in der nächsten Formel-1-Saison die Besetzung der Red-Bull-Boliden Kimi Räikkönen/Sebastian Vettel heißen könnte. Der einzige Kommentar des jungen Mannes mit dem auffälligen „Iceman“-Tattoo am linken Oberarm zu seiner weiteren Karriere lässt viele Schlüsse offen: „Es gibt noch ein paar Dinge zu erledigen. Vielleicht passiert aber auch gar nichts.“

\x09Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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