Bremen-Shanghai: Oldtimer-Rallye gestartet

Foto 1
Foto 2
Foto 3

13 Uhr schlug die Glocke vom nahen Dom in Bremen, als Guosheng Liu, der Geschäftsführer von China Tours (Hamburg) die Startflagge schwenkte. Günther Degner und seine Frau Renate starteten als Erste mit ihrem giftgrünen Ford Phaeton Replicus 1982 zur längsten Rallye der Welt, die sie bereits im Vorjahr meisterten. 9 Fahrer mit ihren Co-Piloten, drei Begleitfahrzeuge (Mechaniker/Arzt) und die Rallyeleitung sind durch acht Länder insgesamt 56 Tage über 15.000 Kilometer von Bremen bis Shanghai unterwegs. Rechtzeitig zum Bremen-Tag am 9. Oktober wollen die automobilen Abenteurer, deren ältester Teilnehmer Günter Kratsch (71) ist, auf das EXPO-Gelände in Shanghai rollen. Dort werden sie von Bremens Oberbürgermeister Jens Böhrnsen empfangen, der die 35 Frauen und Männer in der Hansestadt zusammen mit Chen Hongmei, der Generalkonsulin der Volksrepublik China in Hamburg, verabschiedet hat. Otto Normalverbraucher ist nicht gestartet, weil das Nenngeld stolze 13.950 Euro beträgt und weitere 4.180 Euro für Hotelübernachtungen fällig sind; trotzdem haben alle TeilnehmerInnen auch ihren Schlafsack und das Zelt dabei, weil unterwegs acht Nächte in freier Natur geschlafen wird.

In 56 Tagen von 08 Grad 48 Minuten Ost nach 121 Grad 28 Minuten Ost: Eine verspätete Hochzeitsreise leisten sich Stephan Rohleder und Marie Krause, die mit einem Porsche 911 FFC 1987 an den Start gerollt sind. Doch wer jetzt an ein Brautpaar denkt, das sich in der Garage das Ja-Wort gegeben hat, der liegt völlig falsch. Vielmehr ist das Objekt der Begierde nicht aus Fleisch und Blut, sondern es geht um Benzinträume, alte Autos, Abenteuer und die Verwirklichung eines Lebenstraums. Aber das Ziel der Hochzeitsreise steht schon fest: Es liegt 15.000 Kilometer entfernt in Shanghai.

Im Automobilbau versteht man unter dem Begriff Hochzeit das Zusammenfügen von Karosserie und Motorblock zu einem Ganzen. In diesem Fall handelt es sich um einen Mercedes 280 SL aus dem Jahr 1970, den der Schweizer Untennehmer und seine Lebenspartnerin Marie Krause von Grund auf neu aufgebaut haben, um damit bei der längsten Oldtimer-Rallye der Welt mitfahren zu können.

Der zweifache Familienvater Peter Kühner (59) aus Roggenburg im Allgäu, früher Gymnasiallehrer für Erdkunde am Sportgymnasium in Marktoberdorf, wagt nach dem Tod seiner Frau das Abenteuer, von dem er sein Leben lang geträumt hat. Er steuert einen Subaru Legacy BJ 2000, eins der drei Begleitfahrzeuge, die eingreifen, wenn Oldtimer ausfallen und helfen, bis das Vehikel wieder fahrfähig ist. Nach der Ankunft in Shanghai wird er von chinesischen StudentInnen übernommen, die er im Allgäu unterrichtet hat. Bevor er nach Vietnam weiterfliegt, wo ihn ebenfalls ehemalige SchülerInnen begrüßen werden, lässt er sich schon die chinesische Landschaft zeigen. Einen großen Traum hat der 59-jährige Allgäuer noch: Ich würde gerne Entwicklungshelfer werden.

Ebenfalls in einem Begleitfahrzeug, einem BMW 730d, Baujahr 2005, der natürlich weder als Young- noch als Oldtimer durchgeht, ist Erich Dujesiefken aus Linsweg dabei. Auch er legt die knapp 16.000 Kilometer lange Strecke über Polen, die Ukraine, Russland, Kasachstan, Usbekistan nach China zurück. Auf die Seidenstraße freue ich mich besonders, erklärt der frühere Ammerländer, der seine Heimat schon 1963 verlassen hat. Der inzwischen 69-Jährige flog rund um den Erdball, bevor er sich für dreißig Jahre auf dem fünften Kontinent niederließ. Seit 2004 ist er wieder in Deutschland und lebt in der Hansestadt Bremen. Insgesamt sorgen zwei professionelle Mechaniker mit ihren Werkstattwagen dafür, dass sich die Sorgenfalten auf der Fahrerstirn schnell wieder verziehen, wenn die antiquare Technik der Oldtimer um Pause bittet.

Kurz vor dem Start in Bremen sagte der zweifache Deutsche Rallyemeister Reinhard Hainbach, der einen Opel Senator, Baujahr 1984, aus der Sammlung der Berlinerin Heidi Hetzer fahren wollte, wegen Erkrankung ab. Zum dritten Mal dabei ist dafür Rais Kabanov. Der Russe war schon 2006 und 2007 mit von der Partie. Und wie damals werden die FahrerInnen seine problemlose Kommunikation mit seinen Landsleuten schätzen lernen.

Da die deutsche Botschaft in Kirgistan in den letzten Wochen große Sicherheitsbedenken für eine Fahrt durch das Land äußerte, entschied sich China Tours für eine Umfahrung des Gebietes und wird nun direkt von Kasachstan nach China einreisen. Sicherheit hat höchste Priorität, so Liu. Aber auch dieser Streckenabschnitt ist ein Teilstück der legendären Seidenstraße.

Es ist die einmalige Möglichkeit, acht verschiedene, sonst nur schwer zugängliche Länder zu durchfahren und hautnah zu erleben. Während der 56-tägigen Oldtimer-Rallye stehen immer wieder Ausflüge zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der acht Länder auf dem Programm, um Land und Leute sowie Traditionen kennen zu lernen und Einblicke in fremde Kulturen zu erhalten.

Der feierliche Abschluss für die Oldtimer-Abenteurer findet am 9. Oktober auf dem EXPO-Gelände in Shanghai statt.

Die Rallye im Internet:
www.self-drive-tours.com
www.ChinaTours.de

Text und Fotos: MN Info-Text/Ludwig Mario Niedermeier

Scroll to Top