Test-Tour: Toyota Land Cruiser V8-Diesel

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2.000 Kilometer mit dem mächtigen Land Cruiser. Alles war drin: Autobahn, Landstraßen, Schotter- und Steinpfade erster Güte. Die Frage, ob ein so großer und starker Diesel-V8 mit 4,5 Litern Hubraum wirklich nötig ist, darf als rein akademisch abgetan werden: die Verkaufszahlen deuten nicht unbedingt auf ein Volumenmodell hin. Aber: die direkte Konkurrenz von Mercedes (ML-Klasse), Porsche (Cayenne), Volkswagen (Touareg) und Range Rover ist sehr ähnlich bestückt mit großen V8-Diesel- und Benzinmotoren. Einen solchen hat auch Toyota im Angebot, der hat nur 2 PS mehr, zu gleichem Preis. Auch das: nur von akademischer Bedeutung. Der Toyota ist lang, breit und hoch. Beste Voraussetzung also für komfortables Cruisen oder flinke Autobahnfahrt. Und: sogar hoch geeignet für raue Pfade, schottrige Trails und ganz grobes Geläuf, wie wir zu unserer Freude feststellen konnten.

Der Grund dafür: eine veritable Geländereduktion, die sich vorzüglich mit dem automatischen Wandlergetriebe verträgt. Wer dem Automat weniger gut gesonnen ist, geht einfach in den sequentiellen Handschaltmodus. Fertig. Dafür gibt es da ein bisschen spontaneres Temperament, denn die 286 PS nebst ihren 650 Newtonmetern Drehmoment sind jederzeit zur Stelle. In dieser Big Bang-Kategorie gehören 2,3–2,6 Tonnen Leergewicht zum Standard. Und wenn das Passagierabteil ebenso gefüllt ist wie der Gepäckraum, sind über 3(!)Tonnen Gesamtgewicht schnell erreicht. Und genau dafür ist der V8-Diesel die richtige Lösung. Gut, wir befinden uns in der automobilen High-Class, auch preislich. Etwa 70 Riesen kostet die Basisausgabe, für weitere 10.000 Euro lässt er sich, natürlich aus dem Toyota-Sortiment, bis zur Version Executive hochrüsten. Da ist dann alles drin, was des Menschen Herz begeht. Oder für nötig hält.

Normgaragen, Autokino-Parkplätze und hautenge Dorfsträßchen sind weniger Sache des großen Land Cruisers. Das kann man aber vorher testen. Wer in der Champions-League der Großen und Starken mitspielen will, muss eben jeden Anspruch abdecken. Dass der Proband die etwa 2.000 Kilometer lange Referenzfahrt ohne Macken und Tücken absolvierte, darf hier lobend vermerkt werden. Anderes ist bei Toyotas Slogan und Anspruch auch kaum hinzunehmen. Da 8 Töpfe mit je einem guten halben Liter Hubraum auch stets gut gefüllt werden wollen, darf auch der Verbrauch nicht schocken: Auf dem Highway liefen durchschnittlich 10–13 Liter durch die Einspritzdüsen, bei Stadtfahrten 11–14 Liter und im groben Geläuf ligurischer Seealpen (in der Reduktion!) eben 13–16 Liter. Das ist dann der Tribut an Luxus, Kraft, Gewicht und Komfort eines Fahrzeugs, das nahezu alles kann. Heftig, ja, aber die Mitbewerber können es eben auch nicht besser, eher schlechter, wie langjährige Verbrauchsvergleiche ergeben haben. Da macht der Land Cruiser sogar eine richtig gute Figur. Auch im wörtlichen Sinne.

Text und Bilder: Frank Nüssel

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