Test-Tour: Volvo C30 DRIVe

Foto 1
Foto 2
Foto 3
Foto 4

Obwohl er auf der Plattform des Ford Focus basiert und auch sonst mit eher unspektakulären Eckdaten aufwartet: Ein ganz normaler Kompaktwagen ist der Volvo C30 nicht. Schließlich nimmt der kleine Schwede formal deutliche Anleihen am 1800 ES, jenem Sportkombi, der Anfang der siebziger Jahre das längst überholte 1800er-Coupé in die Neuzeit rettete. Und dann gab es noch den 480 von 1985, über den Volvo momentan nicht gerne spricht, der aber eine ebenso zeitgemäße Neuinterpretation des 1800 ES war, wie es heute der C30 sein möchte.

Beim Bemühen um Originalität haben es die Schweden diesmal ein wenig übertrieben; die breiten Schultern werden von zwei halbrunden Rückleuchten gekrönt, zwischen die sich eine viel zu schmale Heckscheibe quetscht. Sie schwenkt – wie schon bei den weniger extrem gezeichneten historischen Vorbildern – im Stück nach oben. Die rasierklingenscharf gezeichneten 16-Zoll-Alufelgen im Design Libra betonen die strömungsgünstige Karosserieform.

Auch das Interieur ist ungewöhnlich ausgeführt. Besonders auffällig: die freischwebende Mittelkonsole, die mit dem offenporigen Nordic-Holz an skandinavische Möbel erinnert. Eigentlich würde die transparente Iced Aqua-Mittelkonsole am besten in den C30 passen. Sie wurde einige Jahre lang mit sehr begrenztem Erfolg für die Schwestermodelle S40 und V50 angeboten. Eine gute Idee ist der ausfahrbare Bildschirm für das optionale RTI-Navigationssystem, das ansonsten allerdings nicht einmal bescheidenen Ansprüchen zu genügen vermag. Es wird Zeit, dass Volvo auf eine neue Navi-Generation setzt. Dabei sollte der Importeur vielleicht auch noch einmal das Band mit den Ansagen neu besprechen lassen, denn sowohl die weibliche Stimme im Stil einer Deutschlehrerin als auch der eher als Softie auftretende männliche Sprecher setzen einen etwas absonderlichen Akzent.

Mit einem Durchschnittsverbrauch von lediglich 3,8 Litern Diesel im EU-Zyklus zählt diese C30-Version zu den sparsamsten Autos überhaupt. Auch in der Praxis ist es leicht möglich, unter fünf Liter zu kommen, und selbst konsequente Vollgas-Orgien lassen den Verbrauch nicht über acht Liter pro 100 Kilometer ansteigen. Daraus resultieren sehr ansehnliche Reisedurchschnitte, denn einige der normalerweise obligatorischen Tankstopps kann man im C30 DRIVe überspringen. Langsam ist der Wagen dabei keineswegs: Der Spurt auf 100 km/h wird in 11,3 Sekunden abgehakt, die Spitze liegt bei 190 km/h. Der niedrige Verbrauch ist umso erstaunlicher, als das Leergewicht von stolzen 1.439 Kilogramm keineswegs von fortgeschrittenen Bemühungen um den Leichtbau zeugt. Immerhin wird an jeder Ampel per Stopp-Start-System pflichtschuldigst der Motor abgestellt.

Es wird gerade die spezifische Zielgruppe betrüben, dass der 80 kW/109 PS starke, die Nachhaltigkeit plakatierende DRIVe nur die Euro-4-Abgasnorm schafft, während das 84 kW/115 PS starke Schwestermodell namens D2 die Euro-5-Norm meistert. Darüber hinaus verfügt der D2 über sechs Gänge, einen mehr als der DRIVe. Im EU-Zyklus wirkt sich der fehlende sechste Gang – welch Ironie – günstig aus, auch wenn ein Gang mehr in der Praxis natürlich sparen hilft. Im Zyklus verbraucht der D2 4,3 l/100 km – das entspricht 114 Gramm CO2 pro Kilometer. Der DRIVe darf sich indessen mit der begehrten 99-Gramm-Feder schmücken.

Das Fahrverhalten ist trotz tiefergelegter Karosserie eher komfortbetont denn sportlich – und auch im Grenzbereich gutmütig. So lässt es sich reisen, zumal das Platzangebot vorne großzügig ist. Hinten geht es dagegen eng zu, was der extravaganten Form geschuldet ist. Individualisierungswünschen gibt die Preisliste in vielfältiger Form statt, wobei sich der Hersteller mit Ausstattungsbezeichnungen wie Momentum und Summum offensichtlich an seine traditionelle, bildungsbürgerliche Klientel wendet.

Man erhält den Volvo C30 DRIVe ab 22.995 Euro, unser Testwagen stand mit 28.420 Euro in der Preisliste. Momentan gibt es sogar ein Editionsmodell für 20.495 Euro. Dafür bekommt man eine coupéhafte und individuelle Alternative zu VW Golf oder BMW 1er, an die man sicher nicht zufällig gerät – und die genau dann passt, wenn man sich von der Konfektionsware in diesem Segment abheben möchte, ohne deshalb mit Turnschuhen und Baseball-Kappe sportliche Ambitionen vorzutäuschen zu wollen.

Text: Spot Press Services/jm
Foto: Volvo

Scroll to Top