Test-Tour: Lexus 450h (Modelljahr 2010)

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Wie so oft im wirklichen Leben verschließt sich Reizvolles oft der Vernunft. Das hat auch der Lexus RX 450h auf dem deutschen Markt zu spüren bekommen. Allrad-SUV's gibt es hier inzwischen im Segment der BigBangs (die Großen und Starken) mehr als genug (und vernünftig), da alle deutschen Premium-Hersteller sich im Markt der Schönen und Reichen breit gemacht haben. Das ist auch im Wortsinne so zu verstehen, denn massige, voluminöse Karosserien auf dicken Motoren gibt es hinreichend. Dass dabei Vernunft und Ökonomie auf der Strecke bleiben, muss nicht verwundern. Dem Zeitgeist folgend ergehen sich dann die Mitbewerber von Lexus in Ankündigung und Absichtserklärungen, um ihre Mehrtonner auf Ökologie zu trimmen. Auch wir haben bald einen Hybrid.

Aber da gibt es noch den kleinen, aber feinen Unterschied. Lexus bietet mit dem RX einen Voll-Hybrid an, als einziger Hersteller, während die Mitbewerber wohl nur Mild-Hybriden offerieren, deren karge elektrische Batterieleistung auf Momente des Anfahrens und Beschleunigens ausgelegt sind. Gerne wird dann auch mit einer Systemleistung in Pferdestärken (oder Kilowatt) geworben, bei der Verbrennungsmotorleistung und Batterieleistung schlichtweg addiert werden und somit Dauerleistung vorgaukeln. Da liegt eben der Hase im Pfeffer. Wir fuhren den Lexus RX 450h in seiner neuesten Version 2010. Symbolisch steht diese Jahreszahl auch für 20 Jahre Lexus in Deutschland. Somit präsentiert sich der Soft-Allradler weiterhin mit elektronisch geregeltem Allradantrieb, der seinen Job sicher und völlig unauffällig versieht. Das ist gut bei nassen und winterglatten Fahrbahnen, gibt Sicherheit und Komfort. Beim RX ist lediglich ein 6-zylindriger Benzinmotor installiert, der mit 249 PS (183 kW) aus dreieinhalb Litern Hubraum für die 2,1 bis 2,2 Tonnen Leergewicht ordentlich kalibriert, aber eben auch kein sportiver Renner ist. Andere warten da im Leistungshunger mit 8, 10 oder gar 12 Zylindern auf, verpassen einfache oder doppelte Turbos.

Nichts davon beim RX. Die Karosserie: friedvoll geglättet, ohne Ecken und Kanten mit zeitgemäßem Luftwiderstandsbeiwert. Keine dicken Pausbacken an den Kotflügeln, um voluminösen XXXL-Breitgummis eine Heimstatt zu geben, keine Frontspoiler, Splitter und Heckflügel, um notdürftig am Boden bleiben zu können. Ja, irgendwie wirkt der ganze RX deeskalierend in der Szene der großen SUV's. Im Inneren geht es, dem Preis entsprechend, schlicht aber nobel zu. Wertiges Material allenthalben, außergewöhnlich gute Verarbeitung allenthalben. Langstreckenkomfort eben. Nur das Armaturenmodul dürfte etwas übersichtlicher geordnet sein. Da sind Hebelchen, Schalter, Knöpfe, Klappen und Öffnungen in großer Anzahl sorgfältig verteilt und man braucht lange, bis man alle Funktionen zugeordnet und verinnerlicht hat. Die Sitze sind straff-komfortabel bespannt, bieten guten Seitenhalt, entlasten die Rückenpartie und nach langer Fahrt steigt der Mensch völlig relaxed aus.

Wer nach langer Reise durch die Stadt, über Land und schließlich auf dem Highway beim Benzinspender vorfährt, dem erschließt sich ein weiteres erfreuliches Erlebnis: im praxisnahen Mix sind dann irgendwo zwischen 6,4 und 8 Liter Super durchgeflossen. Für einen knapp über 2 Tonnen wiegenden Allradler ein mächtig guter Wert. Und wäre man nur in der Stadt herumgefahren, wäre der Tank noch immer randvoll, denn da spielt der Vollhybrid seine wahren Stärken aus. Natürlich ist der RX kein Geländewagen, ebenso wenig wie seine Mitbewerber und wer unbedingt ins Gelände will oder muss, der kann sich bei der Konzernmutter Toyota reichlich bedienen.

Bilanz: Vieles unterscheidet den RX 450h von seinen Konkurrenten, einige Gemeinsamkeiten gibt es aber auch. Da sind schließlich noch die Preise. Wer nämlich den 2010er RX sein eigen nennen will, in Vollausstattung wie unser Testwagen, der muss dann schon 82.330 Euro vom Konto abheben, womit er als einziger Vollhybrid im Feld der Nichthybriden ebenfalls recht ordentlich dasteht. Womit sich der Kreis der Argumente für Hochtechnologie wieder schließt: konsequent angewandte Hybriderfahrung, logische Umsetzung und anspruchsvolle Zukunftsaufgaben werden schlicht miteinander verheiratet. Und das ist gut so, vor allem, wenn bald auch ein Kompaktfahrzeug mit gleicher Antriebstechnik zu humaneren Preisen in den Lexus-Showrooms steht.

Text und Fotos: Frank Nüssel

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