Dakar Argentinien-Chile 2010: Andreas Schulz im Interview

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Wir sprachen mit Andreas Schulz, einem der versiertesten professionellen Wüstenrallye-Copiloten der Welt. Schulz war als Mitsubishi-Werks-Beifahrer 2-mal Sieger der klassischen Paris-Dakar-Rallye: 2001 gewann er mit Jutta Kleinschmidt und 2003 mit Hiroshi Masuoka. In den Folgejahren war er erfolgreich mit Carlos Sousa, Carlos Sainz und anderen unterwegs. Bei der aktuellen Dakar Argentinien/Chile navigiert er den russischen Privatfahrer Leonid Novitzkiy, der einen von Sven Quandt präparierten BMW X-3CC aus dem X-Raid-Team pilotiert. Novitzkiy gilt in der Szene als zuverlässig, schnell und besonnen. Das Gespräch wurde am Vortag des Starts per Satellitentelefon geführt:

kues.de:Andy, als Wüstenfuchs haben Sie weltweit einen exzellenten Namen. Während in Deutschland der Winter alles fest im Griff hat, stehen Ihnen und den anderen Teams gute zwei harte Wochen bevor, da sie alle mehrere Klimazonen durchmessen müssen. Was wird da an Belastungen auf Sie zukommen?

Andreas Schulz:Bei der klassischen Paris-Dakar hatten wir keine allzu großen Temperaturunterschiede während des Wettbewerbs. Hier kommt alles, was die Welt zu bieten hat, auf uns zu: die schwüle Hitze in den Amazonas-Regionen, die Eiseskälte bei der zweifachen Querung der Anden und die trockene Hitze in der gefürchteten Atacama-Wüste.

kues.de:Wie haben Sie sich physisch auf die Belastungen vorbereitet?

Andreas Schulz:Ich bin ja gebürtiger Bayer, habe folglich den Kontakt zu den geliebten Bergen nie verloren. Andererseits lebe ich überwiegend in einem Land der arabischen Emirate, wo ich mich an Hitze und Trockenheit gewöhnt habe. Im Übrigen darf man da in meinem Beruf nicht zimperlich sein und sollte immer schön auf gute Kondition achten.

kues.de:Lässt sich auch ein reinrassiges Rallye-Fahrzeug wie der BMW X-3CC auf solche Temperaturbelastungen vorbereiten?

Andreas Schulz:Das Technik-Team von X-Raid und die Zulieferer sorgen zunächst mal für stabile Verhältnisse, das heißt: Mechanik, Elektrik und Elektronik werden harten Prüfungen unterzogen, bevor sie eingebaut werden. Sie müssen so stabil ausgelegt sein, dass sie der Temperaturschere etwa zwischen -20 und + 150 Grad Celsius(z. B. im Motorraum) standhalten und nicht ausfallen oder kollabieren. Wenn dann doch mal was defekt geht oder seinen Dienst quittiert, dafür bin ich dann da als gelernter Kfz-Mechaniker und natürlich unser technischer Service vor Ort.

kues.de:Danke für die ersten Impressionen und viel Glück bei der Veranstaltung auf der gegenüberliegenden Seite der Weltkugel.

Interview: Frank Nüssel

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