BMW auf der IAA: Spagat zwischen stolzer Tradition und Öko-Power

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Nicht kleckern, sondern klotzen: Das ist das Motto von BMW in diesen Tagen auf der IAA in Frankfurt. Die Münchener Autobauer versuchen dabei, in Halle 11 mit einem gelungenen Auftritt der BMW Group den Spagat zwischen den emotionalen Automobilen glorreicher weiß-blauer Vergangenheit und zukünftigen Technologien zu vollziehen. Das reicht vom Vorkriegsmodell BMW 502 über den neuen Klein-SUV X1 oder den 5er GT bis zu Modellen aus der 6er und 7er Baureihe mit Hybridantrieb. Gemeinsam ist allen eines: BMW präsentiert seine Modellpalette mit einem großen Selbstbewusstsein und dem Wissen und Willen, in eine technologische und wirtschaftlich viel versprechende Zukunft zu starten.

Die Münchener bleiben sich treu, was die im Frühjahr gemachten Versprechungen angeht: Bereits auf dem Genfer Salon im März zeigte BMW den 5er GT als Studie, in diesen Tagen steht der Neue als Serienfahrzeug in Frankfurt. Und das mit wahrlich beachtlichen Ausmaßen: Der GT ist satte fünf Meter lang, 1,90 breit, 1,56 Meter hoch und weist zudem mit knapp über drei Metern den Radstand eines Siebeners aus der Oberklasse auf. Mit gut zwei Tonnen Gewicht macht er auch auf der Waage einiges her, was dem Auge des Betrachters nicht verborgen bleibt. Technisch stammt der 5er GT von der 7er und 5er Baureihe ab.

Zum Marktstart bietet BMW drei große Triebwerke für den GT an: einmal einen Benziner als Dreiliter-Reihensechszylinder mit 306 PS im 535i, dann den 4,4-Liter-Achtzylinder mit 407 PS im 550i und schließlich auch noch einen Selbstzünder: den Dreiliter-Diesel mit 245 PS im 530d. Alle Modellvarianten sind ausgerüstet mit der neuen Achtgang-Automatik vom Bodensee aus dem Hause ZF. Zu haben ist der neue 5er GT ab Ende Oktober, die Preise beginnen bei 55.200 Euro für den 530d, der 535i kostet ab 55.700 Euro, und das Flaggschiff, der 550i steht für 75.300 Euro im Angebot. Mit diesen Preisen hat der Münchener Hersteller, wie mit dem gesamten Konzept des Fahrzeugs, durchaus Mut und Selbstbewusstsein bewiesen.

Komponenten, die auch für ein weiteres Fahrzeug, das in Halle 11 in Frankfurt steht, durchaus nötig sind: Denn mit dem X6 Active Hybrid halten sich die BMW-Macher an die bekannte Devise: nicht kleckern, sondern klotzen. BMW kombiniert den bärenstarken 407-PS-V8-Benziner aus dem X6 50i mit zwei Elektromotoren, die weitere 91, beziehungsweise 86 PS erzeugen und den X6 damit noch um so mächtiger erscheinen und auch unterwegs sein lassen. 485 PS beträgt die maximal abrufbare Systemleistung, das Drehmoment liegt bei 780 Newtonmeter. Das ist, so die Hausangaben, das stärkste Vollhybrid-Auto der Welt. Die saubere Markteinführung ist für das Frühjahr nächsten Jahres geplant. Wer die umweltfreundliche Öko-Rakete in Zukunft sein eigen nennen will, der wird mit 102.900 Euro zur Kasse gebeten.

Auch einen 7er wird es künftig als Hybrid geben, allerdings nur in der milderen Version, denn die Vorzeige-Limousine aus dem Oberklassen-Bereich kann nicht rein elektrisch fahren. Im ActiveHybrid 7 arbeitet ein so genannter Mildhybrid, vergleichbar etwa mit dem Mercedes S 400 Hybrid. Für die Beatmung sorgt auch hier wie beim X6 der erwähnte 4,4-Liter-V8. Insgesamt beträgt die Systemleistung 465 PS bei gewaltigen 700 Newtonmeter Drehmoment. Das bedeutet in der Praxis auf der Straße: 250 km/h Höchstgeschwindigkeit und fünf Sekunden für den Sprint von Null auf 100. Der Preis soll um die 100.000 Euro liegen.

Zukunftsvisionen aus München zeigt auf der IAA eine aktuelle BMW-Studie mit extrem flacher Niere, tief herunter gezogener Schnauze und ganz engen, dicht bei einander stehenden Scheinwerfern. Das Fahrzeug mit dem Namen BMW Vision EfficientDynamics erinnert in seinem optischen Auftritt ein wenig an den M1 aus früheren Renn-Epochen. Seine Referenzen sind denn auch beeindruckend: 356 PS, 250 km/h Spitze, 800 Newtonmeter Drehmoment, in 4,8 Sekunden auf 100 km/h. Da passt der Wahlspruch des Hauses wie gemalt: Freude am Fahren. Dahinter stecken drei Antriebsaggregate: je ein Elektromotor an der Vorder- und Hinterachse sowie ein 1,5 Liter großer Turbodiesel, dessen Power auf die Hinterachse übertragen wird. 163 PS und 290 Newtonmeter liefert der Common-Rail-Selbstzünder für den Antrieb. Dessen ungeachtet soll die Studie nur 99 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen, was einem Durchschnittsverbrauch der flachen Flunder von 3,76 Liter entspricht.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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