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Thomas Wieczorek: Die Dilettanten. Wie unfähig unsere Politiker wirklich sind. Knaur Verlag; 8,95 Euro.

Vorab gesagt: Es empfiehlt sich durchaus, vor den Text ein deutliches Vorsicht, Satire zu stellen. Thomas Wieczorek hat nicht nur über Korruption in der Politik promoviert, sondern auch als Journalist für eine Satirezeitschrift gearbeitet. Und sein Buch klingt deutlich mehr nach letzterem als nach einer Doktorarbeit.

Das Problem, das er im Titel benennt, bescheinigt er parteinunabhängig so ziemlich allen politischen Repräsentanten, die derzeit als Volksvertreter unterwegs sind. Dass sie als solche unterwegs sind, heißt für Wieczorek nicht, dass sie es tatsächlich sind. Und diese Auffassung begründet er ausgesprochen mitleidlos und mit allen Mitteln der Satire. So liest man in seinen Politiker(innen)porträts X redet, wie Y reden würde, wenn er sich Mut angetrunken hätte oder die Charakterisierung als das wandelnde Multi-Kulti. Und die Notwendigkeit, Minister(innen) Berater(innen) zur Seite zu stellen, begründet er schon mal damit, dass Beratende genau das im Interesse eines Ministeriums unters Volk bringen müssen, was der Minister oder die Ministerin selbst überhaupt nicht verstanden hat. Bisweilen sieht er sogar nahezu keine inhaltliche Kompetenz, während viel Gefühl bei öffentlichen Auftritten vermittelt wird, und die prägnante, aber so gar nicht schmeichelhafte Diagnose lautet dann Emo-Bombe.

So amüsant sich das liest und so sehr es zum herzhaften Lachen animiert, so klar muss man auch sagen: Satire ist Satire, und jeder Mensch lässt sich mit deren Mitteln amüsant darstellen, ohne dass es wie ein billiges Lächerlichmachen wirkt. Wirklich nachdenklich macht aber, was Thomas Wieczorek als Hintergrund seiner Diagnosen ausmacht: So macht er fast niemals einen Bezug einer politischen Person zu dem Amt aus, das da bekleidet wird. Nun gibt es auch keinen Ausbildungsberuf, der sich Bundeskanzler(in) oder Minister(in) für außenpolitische Angelegenheiten oder Bundesminister(in) für Gesundheit nennt, so dass in entsprechenden Ämtern der Quereinstieg nicht zu vermeiden ist. Ratlos bleiben Leserinnen und Leser allerdings zurück, wenn sich manche Biographie als purer Zickzackkurs zwischen den Stationen liest, als eine Mischung aus Karriere machen wollen und Glück gehabt haben.

Entsprechend liegt hier der Erkenntnisgewinn, der weit über die Satire hinausgeht: Thomas Wieczorek macht mit seinen Analysen deutlich, wie wenig an Sachinteresse oder Überzeugung im politischen Alltagsgeschäft gefragt zu sein scheinen. Beharrlichkeit und Konsequenz scheinen nahezu völlig zu fehlen, stattdessen liest sich sein Buch wie eine Beschreibung dieses Alltagsgeschäft als Sammelsurium purer Beliebigkeit. Auch wenn ein dickes Fell nötig ist, um über sich selbst lachen zu können, müsste genau diese Erkenntnis den hier Beschriebenen zu denken geben. Denn sie ist so ganz und gar nicht zum Lachen.

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