Die Tour de France 2009 auf www.kues.de (1)

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Liebe Leserinnen!Liebe Leser!

Ebenso kurz wie spektakulär ist meine erste Erfahrung mit der diesjährigen Tour de France. Normalerweise steht im Juli – von einigen Flachetappen abgesehen – das komplette Tour-Programm an, doch in diesem Jahr überschlagen sich die Ereignisse. Am vergangenen Wochenende Tour-Auftakt, acht Tage später schon Formel 1 auf dem Nürburgring in neuem Ambiente. Dafür ist das Ambiente an der Côte d'Azur für die vier Tage bis zum Dienstag umso glamouröser. Der bekannte Anflug auf Nizza, dann hinauf in die Seealpen, die mir neben einigen Tour-Abstechern vor allem unter winterlichen Bedingungen bekannt sind. Wenn im Winter alljährlich die Rallye-WM beginnt, dann schlägt der Fahrzeug-Tross bei der Monte auf. Aber auch dieses Ritual ist ja gebrochen worden.

Wir wohnen in St. Martin-du-Var, einem kleinen Ort im Hinterland von Nizza, Richtung Alpes Maritimes. Abgesehen davon, dass in einem Umkreis von ca. 50 Kilometer um Monaco, Cannes oder Nizza in diesen Tagen sowieso keine Unterkunft mehr zu bekommen ist, sind derlei Auberges de Luxe unserem Budget ohnehin nicht angemessen. Und beim Hausherren in Monaco, dem guten Albert, mal anzufragen, ob der vielleicht oben in seinem Palast noch irgendwo einen Winkel für einen ungebetenen alemannischen Schreiberling hat, darauf habe ich dann auch verzichtet. Man hat ja schließlich nicht alles nötig.

Dennoch: Monaco muss sein am ersten Tag. Das Abholen der Akkreditierung, Hallo sagen zu Kollegen, die man alle Jahre nur einmal bei der Tour trifft. Eine kurze, flüchtige Begegnung mit dem lebenden Lexikon des Radsports, Daniel Mengeas. Der Mann ist mittlerweile seit über 30 Jahren Streckensprecher bei der Tour de France und hat wohl jede Platzierung, die einer der 180 Fahrer irgendwann einmal in seiner Karriere in irgendeinem Rennen belegt hat, im Hinterkopf. Eine Tour ohne Daniel? Impossible! – Unmöglich.

Der Grand Depart im Steuerparadies an der Küste des Mittelmeers erlaubt es uns in diesem Jahr auch, einmal Dinge zu tun, die man sich schon immer einmal gewünscht hatte, die aber nie in Erfüllung gingen. Vor allem dann, wenn man Zeuge des Großen Preises von Monaco in Monte Carlo geworden ist. Heute können wir, ein paar Stunden bevor der erste Athlet auf die Strecke geht, endlich selbst einmal zu Fuß über die Rascasse-Schikane marschieren oder durch den berühmten Tunnel unter dem Grand Hotel Loews flanieren. Für die Bewohner ist derlei Auflauf nichts Ungewohntes. Zwar startet die Tour in diesem Jahr zum ersten Mal von monegassischem Boden aus, und der letzte Besuch des Rundfahrt-Trosses liegt schon 45 Jahre zurück. Doch dass der kleine Stadtstaat unter der Last eines solchen Events zusammenbrechen würde, steht nicht zu befürchten.

Auch in diesem Jahr bietet die Tour de France für viele Automobil-Hersteller wieder eine gute Gelegenheit, ihre Produkte einem Millionenpublikum drei Wochen lang vorzuführen. Škoda (siehe Bild links) ist seit Jahren schon als Premium-Sponsor dabei. Die Begeisterung der vielen Leute an der Strecke hat, wie zu sehen, einen ganz realen Hintergrund, warum die VW-Tochter sich bei der Tour de France finanziell engagiert.

Monaco empfing uns an den ersten Tagen mit erdrückender Schwüle, am Sonntag war es zumindest im Hinterland etwas besser. Gewitter habe ich in dieser Stadt zwar auch schon erlebt, das letzte allerdings 2006 auf dem Weihnachtsmarkt von Monte Carlo Anfang Dezember. Aber auch das hatte seinen Reiz, wie überhaupt dieses gesamte wunderschöne Fleckchen Erde. Wenn die Tour – was wir alle hoffen – so beschwingt und heiter weiter gehen wird, wie sie begonnen hat, darf ich mich auf den Wiedereinstieg freuen. Zweifel sind – leider – jedoch angebracht.

Ihr Jürgen C. Braun

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