Industrieländer senken Energieverbrauch

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Die Energieträger Öl, Kohle und Erdgas durchlaufen beispiellose Turbulenzen: Dem British Petroleum (BP) Statistical Review of World Energy 2009 zufolge übertreffen die Entwicklungsländer, mit China an der Spitze, die OECD-Nationen erstmals beim Verbrauch von Primärenergie. BP CEO Tony Hayward: Der Schwerpunkt der globalen Energiemärkte hat sich in Richtung der Schwellenländer, insbesondere nach China, verschoben. Es wird die Preise beeinflussen und neue Herausforderungen für Wirtschaftswachstum, Energiesicherheit und Klimawandel mit sich bringen.

Der BP-Statistikbericht weist nachgewiesene Ölreserven von 1.258 Milliarden Barrel aus – ohne den kanadischen Ölstand. Diese Menge würde bei einer Fördermenge von 2008 für weitere 42 Jahre langen. Auf der gleichen Basis reichen die Gasvorkommen weitere 60 Jahre und Kohle 122 Jahre. 2008 kletterte der generelle Primärenergieverbrauch um lediglich 1,4 Prozent, die geringste Zunahme seit 2001. Dabei zeichnete allein China für fast drei Viertel des Anstiegs verantwortlich, für den Rest die erweiterte Region Asien-Pazifik. In den OECD-Staaten sank der Energieverbrauch um 1,3 Prozent, dabei war in den USA mit 2,8 Prozent die steilste Talfahrt innerhalb eines Jahres seit 1982 zu verzeichnen.

2008 stieg der Durchschnittspreis für die Rohölsorte Dated Brent auf 97,26 US-Dollar pro Barrel – ein Anstieg um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr und eine Preissteigerung im siebten Jahr in Folge. Über das ganze Jahr sank der weltweite Ölverbrauch um 0,6 Prozent oder 420.000 Barrel täglich; der erste Rückgang seit 1993 und der stärkste Einbruch seit 27 Jahren. Dabei ging die Nachfrage in den OECD-Ländern mit 1,5 Millionen Barrel zum dritten Jahr in Folge erheblich zurück. Die Nachfrage außerhalb der OECD nahm langsamer zu (um nur 1,1 Millionen Barrel pro Tag).

Die Produktion außerhalb der OPEC-Länder verzeichnete mit einem Rückgang um 1,4 Prozent oder 610.000 Barrel pro Tag die steilste Talfahrt seit 1992, wobei die Produktionsmengen aus OECD-Ländern um 4 Prozent oder 750.000 Barrel pro Tag sanken, bedingt durch Einbußen in Nordamerika und Europa. Der größte Einzelrückgang meldet Mexiko, wo die Produktion um 310.000 Barrel pro Tag sank. Die Förderung in Russland war erstmals seit 1998 rückläufig, um 90.000 Barrel pro Tag.

Der Gasverbrauch stieg um 2,5 Prozent. Der Verbrauch in den USA nahm um 0,6 Prozent zu. Ansonsten war lediglich im Nahen Osten ein überdurchschnittliches Wachstum zu verzeichnen. An den Ölpreis gebundene Gaspreise in OECD-Europa und Asien-Pazifik stiegen schneller. Der weltweit größte Zuwachs bei der Gasnachfrage erlebte China, wo der Verbrauch um 15,8 Prozent anstieg.Die Gasproduktion stieg weltweit um 3,8 Prozent und liegt somit über dem Zehn-Jahres-Trend von 3 Prozent. Dies wurde insbesondere durch die USA bedingt, die die größte jährliche Zunahme der Gasproduktion jemals verzeichneten. Der zweitgrößte Zuwachs kam wegen des Anstiegs der Pipeline-Exporte in die Vereinigten Arabischen Emirate aus Katar. Auch in Europa nahm die Gesamtproduktion zu, da die Steigerungen in Dänemark, den Niederlanden und Norwegen den Rückgang in Großbritannien und Deutschland mehr als wettmachen.

Im sechsten Jahr in Folge war Kohle der fossile Brennstoff mit der weltweit stärksten Zuwachsrate, obwohl die Verbrauchssteigerung von 3,1 Prozent unter dem Zehn-Jahres-Trend lag. China, auf das ganze 43 Prozent der globalen Kohlenachfrage entfallen, war mit einer Steigerung von 6,8 Prozent für 85 Prozent dieser Zunahme verantwortlich. Außerhalb Chinas wuchs die weltweite Nachfrage um lediglich 0,6 Prozent.

Die Erzeugung von Kernkraft ging im zweiten Jahr in Folge zurück (um 0,7 Prozent). Die Stromerzeugung aus Wasserkraft setzte ihre jüngst starke Entwicklung mit einem Zuwachs von 2,8 Prozent fort. Der gesamte weltweite Anstieg kann jedoch wiederum auf den Zuwachs in China in Höhe von 20,3 Prozent zurückzuführen sein. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft außerhalb Chinas sank um 0,4 Prozent.

Die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien legte erneut stark zu, jedoch von einer niedrigen Ausgangslage. Die installierte Windkraft- und Solarkapazität wuchs um 29,9 bzw. 69 Prozent. Die Windkraft-Kapazität in den USA stieg um 49,5 Prozent und überholte dabei Deutschland in Bezug auf die weltweit höchste installierte Windkraft-Kapazität.

Text: Erwin Halentz, Fotos: BP

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