Buchtipp der Woche

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Liza Mundy: Michelle Obama. Fackelträger Verlag; 19,85 Euro.

Wenn Personen, die bisher einer breiten Öffentlichkeit völlig unbekannt waren, weltweit bedeutend sind, dann werden recht schnell Vergleiche bemüht. Entsprechend wurde Barack Obama schon als möglicher neuer Kennedy gehandelt, kaum dass er sich als Kandidat der US-Demokraten für dieses Amt überhaupt beworben hatte. Entsprechend wurde auch seine Frau auf mögliche Parallelen zu Kennedys Ehefrau Jacqueline (Jackie) geprüft. Was den Glamour-Faktor der beiden angeht, gar nicht mal abwegig. Und doch nicht wirklich treffend, folgt man der Beschreibung der Journalistin Liza Mundy.

Michelle Obama ist im Bewusstsein der Rassentrennung aufgewachsen, überdies kommt sie aus einer Arbeiterfamilie. Dass sie ihr Berufsleben auf einen Abschluss als Doktorin der Rechtswissenschaften aufbauen konnte, verdankt Michelle Obama ganz wesentlich einer Überzeugung ihrer Eltern: Über das Wohl und Wehe der Kinder würden in hohem Maße deren Bildung und Ausbildung entscheiden. Politische Ambitionen verknüpfte sie als Studentin mit ihrer Fachwahl keineswegs. Auch der Erfolg, mit dem Michelle durch dieses Studium ging, zeugt nur davon, wie wichtig sie selbst die Überzeugung ihrer Eltern nahm.

Barack Obama habe man einfach wegen seiner Überzeugungen mögen und lieben müssen, sagt die heutige First Lady der USA über ihren Mann. Denn das Ziel, möglichst viel Geld zu verdienen, verfolgte er keineswegs bei ihrem Kennenlernen. Statussymbole waren ihm derart unwichtig, dass sein Bestand an Kleidung so knapp wie möglich gehalten war und er sein erstes Auto tatsächlich so lange fuhr, bis es wohl keine Hauptuntersuchung mehr überstanden hätte.

Heute scheint die Rollenverteilung im Hause Obama recht klar. Barack nennt Michelle respektvoll Boss, und das ist wohl nicht die pure Koketterie. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, die Familie wird nicht hinter der Arbeit zurückgestellt. Im Zweifelsfall wird the boss befragt.

So entsteht hier weniger das Bild einer First Lady, für die man sich nicht in erster Linie wegen dieser Rolle interessieren muss. Es entsteht das Bild einer Frau, die bei allem Ehrgeiz in Studium und Job schon früh das Ziel verfolgte, eine eigene Familie zu haben – und dieses Ziel keineswegs unterschätzte. Genau darin sieht Liza Mundy auch eine mögliche Vorbildfunktion der Michelle Obama: Sie könnte eine Vorkämpferin für die Teilzeitarbeit von Frauen im heutigen Amerika gelten – wo es oft immer noch eindeutig heißt: Entweder eigene Familie oder Vollzeitjob. Gerade für Frauen.

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