Saab: Unternehmens-Zukunft weitgehend klar

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Schwedischer Handwerksbetrieb mit 40 Beschäftigten übernimmt Saab

Der rasante Abstieg des ehemals größten Automobil-Herstellers der Welt, General Motors, ging in Deutschland vor allem mit der Frage einher, was aus den vier Opel-Werken in Rüsselsheim, Kaiserslautern, Bochum und Eisenach und den dort beschäftigten Menschen werden solle. Doch am Niedergang von GM hatte nicht nur die Tochter Opel, sondern auch noch andere Marken zu leiden. Was bei uns jedoch angesichts der zum Politikum gewordenen Rettungspläne für Opel so gut wie untergegangen ist im öffentlichen Meinungsbild. Seit heute herrscht nun jedoch Klarheit und Gewissheit über das Schicksal des schwedischen Automobilherstellers Saab. Ein in Schweden beheimatetes Konsortium um die Koenigsegg Automotive AB hat die neben Volvo einzige Automarke Schwedens von der amerikanischen Muttergesellschaft erworben. Das hat General Motors heute bestätigt. Der Verkauf, so heißt es, solle bis zum Ende des dritten Quartals (September) abgewickelt sein, zum Preis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen.
Koenigsegg ist ein hierzulande weitgehend unbekannter schwedischer Sportwagen-Fabrikant. Im Vergleich zu Saab, das mit seinem Fertigungssitz in Trollhättan ein industrielles Schwergewicht in dem skandinavischen Staat ist, geht Koenigsegg bestenfalls als Autozwerg durch, der nun mit Hilfe eines Kredits über 600 Millionen Dollar (ca. 430 Millionen Euro) der europäischen Investitionsbank zum neuen Eigentümer des insolventen Autobauers Saab wird. GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster bezeichnet den Vorvertrag, den der amerikanische Mutterkonzern und der schwedische Hersteller geschlossen haben, als weiteren bedeutenden Schritt der Neuerfindung von GM und seiner europäischen Geschäfte. Saab befindet sich seit dem 20. Februar in Insolvenz. GM hatte mehrfach angekündigt, die defizitäre Marke verkaufen zu wollen. Damit ist zumindest vorerst der Weiterbestand der schwedischen Traditionsmarke gesichert. Mit dem Geld sollen unter anderem neue Saab-Modelle auf den Markt gebracht werden, die derzeit offenbar kurz vor ihrer Serienreife stehen. GM sagte Saab zu, für einen bestimmten Zeitraum mit Motor- und Getriebetechnik zu versorgen. Dies könnte vor allem für die nächste Generation des Saab 9-3 gelten. Das Volumenmodell des Herstellers soll auf der Plattform der nächsten Astra-Generation gebaut werden.

Der Deal zwischen GM und Koenigsegg betrifft auch Fertigungsprozesse der deutschen Marke Opel. Nach der nun getroffenen Vereinbarung wird der Saab 9-5 künftig nicht wie eigentlich vorgesehen im Opel-Hauptwerk Rüsselsheim, sondern im Saab-Werkssitz im schwedischen Trollhättan gebaut. Eigentlich hätte die Produktion des Saab 9-5 in Deutschland noch in diesem Jahr anlaufen sollen. Allerdings ist dieser Umstand für Rüsselsheim keine neue Hiobsbotschaft, da dort dank des neuen Insignia der Laden brummt. In Deutschland würde der neue Saab-Eigentümer eher in die Rubrik mittelständischer Handwerksbetrieb eingereiht. Koenigsegg beschäftigt in seinem Stammhaus im schwedischen Ängelholm genau 40 Personen, darunter zehn Ingenieure. Im vergangenen Jahr hatte das Haus, vor allem an solvente Kunden im nahen Osten und den ehemaligen Sowjetrepubliken ganze 20 Sportwagen verkauft. Diese Zahl darf jedoch völlig anders interpretiert werden, macht man sich ein Bild vom Kostenvolumen eines solchen Sportwagens: ein handgefertigter Koenigsegg kostet Minimum 650.000 Euro. Dank technischer Hilfe von Ford und Volvo entwickelte man in den vergangenen Jahren genau vier Modelle, darunter auch den Koenigsegg CC82 mit einer Spitzengeschwindigkeit von 388 km/h. Für gelangweilte arabische Prinzen oder russische Oligarchen sicherlich ein nettes Spielzeug.

Text: Jürgen C. Braun
Foto: Saab

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