Liebe Leser von www.kues.de,

nicht jeder von uns hat sicherlich das Geschick eines morgenländischen Basar-Besuchers, wenn es darum geht, beim Einkauf zu feilschen und zu tricksen, was das Zeug hält. Dabei können wir doch nach der Liberalisierung des Rabattgesetzes (das war im Juli 2001, aber ehrlich, ich musste auch erst einmal nachsehen) Nachlässe raushandeln, was der Spaß am Handeln nur so hergibt. Oftmals sind wir aber gar nicht darauf angewiesen, denn viele Händler umgarnen ihre Kunden mit Sonderangeboten, die mitunter von großer Innovationsfreude des Betreffenden zeugen.

Unerreicht ist meiner Meinung nach allerdings eine Morgengabe, von der ich Anfang der Woche in einer Pressemeldung des Hauses Mitsubishi erfuhr. Freunde der japanischen Automarke am anderen Ende der Welt werden nämlich mit lebenden Naturalien in die Showrooms der Händler gelockt. Wer sich in Neuseeland den Pick-Up von Mitsubishi, der dort unter dem Namen Triton erhältlich ist, zulegt, erhält als freundliche Draufgabe des Autohändlers eine kostenlose Ziege. Laut Mitsubishi will man mit dieser ungewöhnlichen Aktion vor allem Landwirte locken, denn, so heißt es weiter, Landwirte seien in Zeiten der Finanzkrise das Rückgrat der heimischen Wirtschaft Neuseelands. Und Ziegen, so glauben die pfiffigen Marketing-Fuzzis drüben im Kiwi-Land, würden den Farmbetrieb effizienter machen, da sie sich zur giftigen Unkrautbekämpfung eignen und kein Risiko ansteckender Tierseuchen bergen.

Doch die klugen Werbestrategen der Marke mit den drei Diamanten haben für Ignoranten dieser Goodwill-Aktion (so was soll es ja auch im Land der Dornenvögel geben) vorgebeugt. Schlagen Käufer eines Mitsubishi Triton nämlich die meckernde Zugabe aus, so können sie alternativ auch das Keine-Ziegen-Paket wählen. Es beinhaltet unter anderem eine verlängerte Garantie, die Erstattung von Mautgebühren und einen Zubehörgutschein. Für wen nun in erster Linie das Herz der neuen Triton-Besitzer schlägt, ob für die Ziege, oder das Zubehörpaket, darüber gibt es noch keine aussagekräftige Statistik.

Ob Mitsubishi oder ein findiger Konkurrent dieses Verkaufsfördernde Modell in absehbarer Zeit auch auf den deutschen Markt, vielleicht in etwas modularer Form, transferieren will, ist bisher nicht bekannt. Aber es wäre doch zumindest ein diskutabler Anreiz, beim Kauf eines VW Caddy eine Vogel-Voliere mit zwei Wellensittichen oder beim Erwerb eines Fiat Fiorino ein kunstvoll gezimmertes Laufrad mit zwei Goldhamstern geschenkt zu bekommen. Wobei wir den Umstand unberücksichtigt lassen wollen, ob derlei Rabatt-Gepflogenheiten dem häuslichen Frieden des Kunden abträglich sein könnten.

Egal, ob mit oder ohne Ziege oder Goldhamster, ob mit oder ohne Mitsubishi Triton, ich wünsche Ihnen jedenfalls ein schönes Wochenende. Und sollten Sie vorher beim Einkauf im Supermarkt an der Käse-Theke zu einem viertel Pfund würzigen Fromage de Chèvre noch ein Matchbox-Auto erhalten, so lassen Sie es mich wissen …

Text: Jürgen C. Braun
Foto: Bernhard Schoke

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