CD-Tipp der Woche

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Alexander Rybak: Fairytale. (EMI)

Den Eurovision Song Contest mögen eingefleischte Fans nicht zuletzt wegen seiner Unberechenbarkeit: Hoch gehandelte Favoriten können den sicher geglaubten Sieg einmal sogar gleich mehrfach verfehlen (wie Cliff Richard 1968 und 1973), und immer wieder hat es Überraschungssieger gegeben (etwa Paul Harrington & Charly McGettigan 1974 und die Olsen-Brothers 2000). Deshalb ist es durchaus eine Überraschung, wenn jemand den internationalen Wettbewerb gewinnt und damit sämtliche Prognosen bestätigt. So geschehen bei Alexander Rybak am 15. Mai 2009.

Der Mann, während der Vorbereitungen zum Contest gerade 23 geworden, ist ein Phänomen: Sogar Kritiker, denen in Anspielung auf sein Äußeres Bezeichnungen wie Milchbubi in ihre Beschreibung von Rybak rutschten, kamen nicht umhin, zu bestätigen: Der gebürtige Weißrusse, der seit 1992 in Norwegen lebt und auch für Norwegen antrat, hat gleichermaßen Talent und Charisma.

Das allein erklärt allerdings weder einen Erdrutschsieg noch ein überzeugendes Debütalbum, wie er es jetzt mit Fairytales vorlegt. Alexander Rybak weiß, was er will. Geschickt mixt er aus Folklore und Pop einen ohrwurmtauglichen Cocktail, ohne dass das wirkt wie ein Produkt, das auf Teufel-komm-raus in die Verkaufscharts muss. Und krönt das ganze mit einer Neu-Interpretation der 500 Miles von den Proclaimers, die alles andere als bloß nachgesungen daherkommt.

Im Vorfeld des Eurovision Song Contest hat er sich während der Probenwoche immer wieder der Öffentlichkeit entzogen. Wenn's ihm zuviel wurde mit Interviewanfragen, wies er darauf hin, dass er für seinen Finalauftritt fit sein müsse – und wolle. Auf der After-Show-Party suchte man ihn vergebens, er wollte lieber im stillen bleiben. So handelt einer, der es nicht darauf anlegt, everybody's darling zu werden. Wenn er sich seinen eigenen Kopf bewahrt und seine Talente konsequent ausbaut, könnte Alexander Rybak durchaus eine Karriere à la ABBA und Celion Dion bevorstehen – die haben gleichfalls beim Eurovision Song Contest (damals noch Grand Prix) angefangen.

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