Erste Erfahrungen: Nissan 370Z

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Fahrzeuge aus dem fernen Osten glänzen in der Regel durch ihre Alltagstauglichkeit und ihre Zuverlässigkeit. In den Hitparaden der Mängelstatistik grüßen sie meist von ganz oben, weil weder an ihren Materialien noch an ihrer Verarbeitung oder an ihrer Langlebigkeit irgendetwas auszusetzen ist. Japanische, oder von mir aus auch südkoreanische Autos, werden quer durch die Bank möglicher Käuferschichten geschätzt, aber in den wenigsten Fällen auch geliebt. Weil es in der Regel an der Emotion von Formen und Farben, von Pracht und Power, mangelt. Sicher, es gab ein paar Ausreißer, aber das waren meist Einzelexemplare, oder sie wurden mittlerweile in den Vorruhestand geschickt. So wie beispielsweise der S2000 von Honda. Toyota leistet sich immerhin noch einen MR2, verweist ansonsten auf die Tochter aus gutem Hause, auf Lexus. Mazda hat den wankelmütigen RX-8 im Programm, aber dem fehlt es schlicht und ergreifend an Explosivität.

Nissan hat sich da schon immer wohltuend von der asiatischen Landsmannschaft abgehoben. Die Z-Modelle, angefangen vor sechs Generationen beim Datsun 240, genossen damals schon den Ruf leichter Extravaganz. Mit dem 350 Z hat Nissan an Pomp und Glory des vergangenen Jahrhunderts angedockt. Ab Juli gibt es den 370 Z, und der hat vor allem zweierlei: erstens jede Menge Biss und zweitens das Zeug dazu, in einem Genre aufzuräumen, das meist anderen Herstellern vorbehalten war. Und das zu einer Zeit, in der das böse K-Wort Krise fast alles aus dem Vokabular rund um das Automobil verbannt hat, was noch Spaß machen soll und darf. Monate, nachdem sich die übrigen Vertreter der Reiskocher-Fraktion reihenweise aus Formel 1, Rallye-WM oder Moto-GP zurückgezogen und sich dem Diktat des Sparens bis zum Exzess unterworfen haben. Ja, mal ganz ehrlich, ihr Nissan-Leute: darf Spaß haben denn wirklich noch Spaß machen?

Ja, es darf. Und die Lust in schweren Zeiten ist sogar bezahlbar, wenn man mal über den Zaun in Nachbars Garten blickt. Der neue Nissan-Sportwagen ist sogar innerhalb der Familie nur unwesentlich teurer als der 350 Z, hat aber wesentlich mehr Alltagstauglichkeit zu bieten. Und zudem jede Menge mehr Biss. Mit dem 331 PS starken Coupé will Nissan nicht nur die Glaubwürdigkeit in die eigene Firmengeschichte auf diesem Gebiet untermauern sondern auch zeigen, dass man offenbar mehr kann als nur gelungene Crossover-Modelle zu konzipieren. Mit einem Einstiegspreis ab 38.660 Euro verteilen die Japaner mit dem neuen Sechszylinder-Coupé, dem im nächsten Jahr auch eine offene Variante nachgeschoben werden soll, Eintrittskarten die Welt der exklusiven Sportwagen-Schickeria, die ansonsten einen erheblichen tieferen Griff in den Geldbeutel voraussetzen.

Platz nehmen in einem Exemplar der Nissan-Sportwagen-Reihe, hieß schon immer, in einer Art Fauteuil mit hoher Seitenführung zu versinken und sich der asphaltierten Bodenplatte bedenklich zu nähern. Dergestalt eingepasst in den extrovertierten Reiskocher entwickelt der Fahrgast jedoch genau diejenige Erwartungshaltung, die der Hersteller an potentielle (oder bereits eingeschworene) Kunden setzt. Ein Fahrerlebnis der besonderen Art, das sich nicht nur im ungestümem Vorwärtsdrang, sondern auch und vor allem bei flotter Kurvenfahrt äußert. Der 370Z ist mit 4,25 Metern etwas kleiner geworden, und auch der Radstand wurde um zehn Zentimeter gekürzt. Was, auch zusätzlich unterstrichen durch den abgesenkten Schwerpunkt und eine größere Spurweite zu flotterem Handling führt.

Wenn man sich das Vergnügen, per manueller Schaltung oder Lenkradwippen in den Gängen herum zu toben, selbst etwas verderben will, muss man sich nur die Automatik-Version für einen Aufpreis von 2100 Euro zulegen und schon hat man den gewünschten Effekt der mechanischen Lustbremse. Nein im Ernst: eine dermaßen im Temperament gezügelte Ausgabe lässt dann auch die Frage zu: Warum sich einen Sportwagen kaufen? Zumal man sich mit der Handschaltung dem Effekt des automatischen Zwischengases, das die Motor-Drehzahl dem einzulegenden Gang bereits im Voraus anpasst, sehr viel besser hingeben kann, als dies bei der Automatik-Version der Fall ist.

Mit dem neuen Lustobjekt aus alter Familien-Tradition, das18 PS mehr aber auch 32 Kilo weniger als der Vorgänger aufweist, hätschelt Nissan seine seit Jahrzehnten gepflegte Nische der Sinnesfreuden auf vier Rädern auf beeindruckende Weise. Wobei den Ingenieuren und Produktstrategen ein Experiment gelungen ist, an dem Menschen mit großen Visionen gescheitert sind. Wenn auch nicht unbedingt im automobilen, sondern eher im fußballerischen Bereich: Nissan hat seine sportliche Baureihe, vielleicht nicht jeden Tag, aber doch sukzessive immer ein bisschen besser gemacht.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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