50 Jahre MINI (1): Genial und maximal

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Es gibt Automobile, die werden von ihren Besitzern als tägliche Gewohnheitstiere benutzt um sich selbst, Familienangehörige, Freunde, Bekannte oder wen auch immer nebst allerlei Gepäck mobil zu halten. Im Alltag, in den Ferien, an Sonn-, Feier- oder Werktagen. In der Regel zuverlässig, aber ohne große Ausstrahlung ist ihnen ein oft leidenschaftsloses Dasein der Pflichterfüllung zwischen Kolben und Konventionen beschieden. Aber es gibt auch Fahrzeuge, die viel mehr als nur ein Antriebskonzept, viel oder wenig Platz, oder einen günstigen Durchschnittsverbrauch haben.

Autos, die eine Seele haben, ein Stück Zeitgeist verkörpern, Geschichte darstellen und Geschichten erzählen können. Ein rollendes Exemplar dieser besonderen Spezies feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Ein halbes Jahrhundert, in dem es etwas feiern durfte, was den wenigsten Automobilen vergönnt ist: es durfte bereits seine eigene Wiederauferstehung feiern. Sein Name ist so kurz wie der Jubilar selbst: der Mini. Grund genug, uns auf dieser Seite mit einem halben Jahrhundert Automobilgeschichte der besonderen Art zu beschäftigen.

Mit dem Begriff Mini können auch viele Zeitgenossen etwas anfangen, die eigentlich keine Automobil-Enthusiasten sind. Aber der Mini ist, ähnlich der Ente oder dem Goggomobil zu einem festen Begriff geworden, der ihn aus der Masse seiner Gattung hervorhebt. Dabei waren die Umstände, die vor 50 Jahren zu der Entwicklung eines zu diesem Zeitpunkt revolutionären Automobil-Konzeptes führten, mit den heutigen Verhältnissen durchaus vergleichbar. Ende der 50er Jahre kletterten in Großbritannien die Spritpreise, der Trend nach wirtschaftlich günstigen und alltagstauglichen Kleinfahrzeugen wuchs. Also musste sich die Industrie in der wohl gehüteten splendid isolation etwas einfallen lassen.

Demzufolge erhielt die British Motor Corporation (BMC) in Longbridge den Auftrag, kostengünstig einen neuen Kleinwagen zu konstruieren. Federführend für das Projekt war ein gewisser Alexander Arnold Constantine Issigonis, den alle Welt nur Alec nannte. Heraus kam dabei ein recht seltsam anmutendes Gefährt, dessen Konstruktionsprinzip Issigonis im Freundeskreis das erste Mal auf einer hundsgewöhnlichen Serviette nachzeichnete. Der Mini war für alles mögliche gedacht, nur nicht, um das zu tun, was er später eigentlich Zeit seines Lebens in die Tat umsetzte: um Emotionen zu wecken.

Die Gedankengänge von Issigonis und den mit der Fahrzeug-Entwicklung beauftragten Ingenieure drehten sich fast ausschließlich um ihre Vorgaben: Platz sparen, Sprit sparen, Geld sparen. Das Ergebnis war wegweisend und sollte es über Jahrzehnte hinweg für die Fertigung von Automobilen bleiben. Es begann damit, dass man sich für Frontantrieb entschied. Zudem wurde der Motor so gedreht, dass man ihn quer vor der Fahrerkabine montieren konnte. Selbst das Getriebe mitsamt dem Differenzial wurde Platz sparend unter das Aggregat geknubbelt. Verzichtet wurde auf ein Stufenheck mit großem Kofferraum. Stattdessen ermöglichte das steile Heck, das Dach weit nach hinten zu ziehen und eine weitere Rückbank unterzubringen. Vier kleine Räder wurden an jeder Ecke der Karosserie platziert, um mit einem weiten Radstand möglichst wenig Raum zu vergeuden.

Das Ergebnis war ebenso neu wie verblüffend einfach: Denn trotz seiner Länge von knapp 3,50 Metern entpuppte sich der neue Kleinwagen als Raumwunder. Im August 1959 wurde er der Öffentlichkeit zum ersten Mal präsentiert. In zwei Varianten als Morris Mini-Minor und als Austin Seven. Beide unterschieden sich mit ihren 37 PS starken Antriebsaggregaten nur marginal voneinander. Nach außen hin völlig unscheinbar, dagegen von innerer Größe und von eben solchen Werten. Ein solches Auto konnte nur einen Namen tragen und unter dieser Bezeichnung wurde es Kult: Der Mini.

Text: Jürgen C. Braun / Fotos: KÜS

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