Ein Leben aus der Schräglage: Motorrad-Frühling 2009 (Teil 2)

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Im ersten Teil unseres Rundblicks über die Neuheiten des Motorrad-Frühlings 2009 warfen wir schon einmal einen kleinen Blick auf die Motorrad-Messe in Dortmund Ende März. Dort wurde nicht nur der Trend zu Rollern und braven Einsteiger-Modellen ersichtlich. Dortmund zeigte auch, dass 2009 bei allen Neuheiten kein Jahr der großen Revolutionen auf dem Markt sein wird.

Der traditionsreiche Hersteller Triumph bringt immer noch britisches Understatement mit seinen Modellen auf den Markt. In Mission impossible durfte Tom Cruise den Supercruiser Street Triple R über die Leinwand bewegen, bevor er dann mit dem Hubschrauber in den Eisenbahn-Tunnel entschwand. In der sportlich orientierten Mittelklasse haben die Englishmen jetzt nachgelegt und bieten den edlen Dreizylinder in einer geschärften R-Version (675 Kubikzentimeter Hubraum, 106 PS bei 11.700 Umdrehungen) zum Preis von 8.640 Euro an. Die Maschine macht Laune mit kräftigem Schub aus dem niedrigen Drehzahlbereich heraus und einem breiten Drehmomentband.

Suzuki wirbt als Nachfolgerin der bewährten SV 650 mit der recht feingliedrig wirkenden Gladius. Deren 34 PS resultieren aus einem überarbeiteten Vorgänger-V2. Allerdings fehlt der 6.290 Euro teuren Mittelklässlerin zum Start leider ein ABS. Langstreckenfahrer stört zudem der auf 14,5 Liter geschrumpfte Tankinhalt.

Harley-Davidson hat seiner Touring-Familie ein steiferes Fahrwerk verpasst. ABS gehört nun zur Serienausstattung. Eindruck machen die Amerikaner vor allem mit der neuen V-Rod Muscle mit wuchtigen 240er Schlappen. Knapp geschnittene Fender an Front und Heck, neu gestylte Kühlerverkleidungen und tief heruntergezogene Lufthutzen an der Airbox sorgen für sprichwörtliche US-Power and Glory. Die 121 PS starke V-Rod Muscle kostet inklusive serienmäßiger Wegfahrsperre und selbsttätig aktivierender Alarmanlage 18.445 Euro. Die neue V7 Café Classic von Moto Guzzi mit ihrem leichten Retro-Charme verkörpert dagegen den etwas sportiven Stil der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Dennoch ist sie für 8.250 Euro mit Höckerbank, Stummellenkern und Drahtspeichenrädern immer noch eine echte Guzzi mit frischem Nostalgie-Schub.

In die Kategorie böse, giftig, bissig gehört dagegen Hondas legendäre Fireblade in der Königsklasse der Tausender-Supersportler. Für die 178 PS des Reihenvierzylinders wird jetzt optional ABS angeboten. Frisch aufgemöbelt tritt im exklusiven Reigen der Extremsportler auch die Aprilia RSV 4 mit einem 180-PS-Triebwerk für 19.790 Euro an. Ein richtiger Kracher ist auch die neue 1125 CR von Buell mit ihren 148 PS. Der V2-Motor stammt aus dem Hause Rotax. Der exzentrische Landstraßenfeger kostet 11.599 Euro.

Ihren Hang zum Größenwahn haben die Italiener eigentlich nie richtig abgelegt, wenn es um Motoren und PS-Zahlen ging. Aber ein Land, dessen Ingenieure (bildhaft) das cavalhino rampante aus Maranello auf der Stirn tragen, darf auch auf zwei Rädern schon einmal das Fürchten lehren. So wie mit der neuen Monster 1100 S aus dem Hause Ducati. 95 PS aus einer 90-Grad-V2 mit zwei Ventilen und Zündkerzen pro Brennraum bei einem Gewicht von knapp 160 Kilogramm: Die neue Monster-Duc trägt ihren Namen sicherlich zu Recht.

Wer es jedoch weitaus gemütlicher haben will und 2009 für sich als das Jahr des Rollers erkoren hat, der findet in diesem Genre eine reichhaltige Auswahl an erfrischend und peppig geschnittenen, aber auch alltagstauglich präparierten Modellen von 50 bis fast 500 Kubik an. Gespannt sein darf man neben Novitäten aus dem Hause Vespa vor allem auf den neuen Dreiradroller Piaggio MP3 LT ab 6.850 Euro. Dabei erwiesen sich die Italiener als innovativ und haben die Spur leicht verbreitert. Das Ergebnis: Trotz kräftiger Motoren mit 250 und 400 Kubikzentimeter darf der Roller nur mit dem Autoführerschein gefahren werden.

Doch auch dem Piaggio-Roller wird es gehen wie dem Frühling, auch wenn man ihn zu Anfang selten oder gar nicht gesehen hat: Er kommt bestimmt.

Text: Jürgen C. Braun / Fotos: Industrie

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