Buchtipp der Woche (1)

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Thomas Natschinski mit Christine Dähn: Verdammt, wer hat das Klavier erfunden? Verlag Neues Leben; 19,90 Euro.

Als er für den erkrankten Ed Swillms für einige Zeit bei KARAT einspringen sollte, fühlte sich Thomas Natschinski zu allererst nur geehrt – und ließ sich mit der Zusage Zeit. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus der ehrlichen Überlegung, ob Swillms' Schuhe nicht eventuell zu groß seien für ihn.

Sie kennen weder Thomas Natschinski noch Ed Swillms? Das liegt dann zum guten Teil an der Bescheidenheit der Musiker, die lieber im Hintergrund wirken als Schlagzeilen zu machen. So mag es kein Zufall sein, dass erst der Umweg über Peter Maffay Karat bundesweit bekannt machte – als der den Klassiker Über sieben Brücken musst du gehn coverte und im damaligen Westdeutschland zum Superhit machte.

Maffay selbst, so schreibt Thomas Natschinski, hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er nur der Sänger einer Coverversion war – nachdem er das Original im Autoradio gehört hatte und sich sofort um die Rechte für eine eigene Aufnahme des Songs bemühte. Mit den Musikern von Karat, insbesondere mit dem 2004 verstorbenen Herbert Dreilich, entstand eine stabile Musikerfreundschaft.

Indes ist Thomas Natschinski nicht bloß der zeitweilige Karat-Mitspieler. Früh hat er sich, Sohn des berühmten Musikers Gerd Natschinski, für den Beat interessiert und sich darin einen Namen gemacht. Ungeachtet seines Hangs zu guten Manieren, unauffälligem Benehmen und leerem Strafregister, was ja zunächst wie ein Widerspruch zum Anliegen des Beat aussehen könnte. Längst ist Natschinskis Mokka Milch Eisbar Kult, längst hat er sich auch als Filmkonmponist einen Namen gemacht, und längst könnte er sich auf den Ruhestand vorbereiten. Den es für Musiker allerdings bekanntlich nicht wirklich gibt, da ist Thomas Natschinski keine Ausnahme.

Vor allem aber lernt man aus diesem Buch, dass er auf eine freundliche Anfrage des Verlags zusammen mit der befreundeten Journalistin Christine Dähn schrieb, wie viel Arbeit in den leichtgängigen, unterhaltsamen Stückchen Musik steckt. Wenn sie wirklich gelingen sollen, gehört neben Einfallsreichtum und Experimentierfreude – Ed Swillms' Karat-Klassiker wurden maßgeblich von osteuropäischer Volksmusik beeinflusst – auch das systematische Studium der Musik in verschiedenen Fächern, wenn man denn die Aufnahmeprüfungen geschafft hat. Unerläßlich aber ist jede Menge Disziplin und Detailversessenheit. Und so wird Natschinskis Rückblick auf die eigene Laufbahn, zum 60. Geburtstag verfasst, in erster Linie ein sehr schön und spannend verfasster Kurz-Kurs über die Mühen und Freuden der vermeintlich leichten populären Musik.

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