CD.Tipp der Woche

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Les Humphries Singers: Greatest Hits – Das Beste. (Eastwest/Telefunken)

Hatte Les Humphries sich in den neunziger Jahren noch selbst für tot erklärt, um wieder in die Schlagzeiulen zu kommen, so ist die Nachricht vom März 2008 traurige Realität: Der Leiter des berühmtesten Chors der siebziger Jahre ist beriets am zweiten Weihnachtstag 2007 in England verstorben, die Todesnachricht wurde aber erst viel später öffentlich bekannt.

Les Humphries: In den sechziger Jahren nach Deutschland gekommen, gründete er flugs einen Chor, in dem sich allerlei Paradiesvögel aus unterschiedlichen Ländern zusammenfanden. Was nach öffentlichkeitswirksamem Chaos klingt, war tatsächlich eine hinreißende Mischung aus Pop, Rock, Soul und Gospel, partytauglich einerseits, nur zum Hören allerdings genau so brauchbar andererseits. Mit Mama Loo, Mexico, Kansas City und vielen anderen stürmten die Singers bis 1974 die Hitparaden, waren Dauergäste in sämtlichen angesagten Shows. Ihre Darbietungen waren perfekt, ohne steril zu wirken, und unter anderem legten die Les Humphries Singers den Grundstein für die Karrieren von Liz Mitchell (Boney M.), John Lawton (Uriah Heep) und Jürgen Drews.

Dem kometenhaften Aufstieg folgte ein eher langsames Ab: 1975 blieben die ganz großen Treffer aus, reduzierten sich die Singers auf nur Achtungserfolge. 1976 wurden sie zum Grand Prix Eurovision als Vertreter Deutschlands als im Vorentscheid Zweitplatzierte nachnominiert: Sieger Tony Marshall hatte ein Lied dargeboten, das nicht neu war. Marshall wusste das selbst nicht, wurde aber disqualifiziert – Regelverstoß, wenngleich unwissentlich. Sing Sang Song von den Les Humphries Singers landete abgeschlagen auf einem der letzten Plätze, was ihnen nur bedingt anzulasten war: Mehr als sechs Gruppenmitglieder durften nicht auf die Bühne – auch eine Eurovisionsregel damals. In derart reduzierter, fast kastrierter Form kam aber weder der Charme des Chors noch die tatsächliche Qualität des Liedes beim Publikum an, wirkte der ganze Auftritt bemüht, verkrampft und obendrein mit einer reichlich sinnfreien Darbietung. Dabie hätte Sing Sang Song durchaus etwas hergeben können – aber das Ende der Singers war dann nicht mehr weit.

Die vorliegende Compilation, vom erfahrenen Singer, Songwriter und Produzenten Wolfgang Michels zusammengestellt, versammelt neben den großen Hits auch rare Perlen wie Jennifer Ryan – und eine Titelmelodie, welche getrost zu den TV-Klassikern schlechthin zu rechnen ist: Denn niemand anders als der jüngst verstorbene Les Humphries schrieb dem Kommissar mit der großen Brille alias Horst Tappert das berühmte Intro, das bis 1998 jede Derrick-Folge begleitete.

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