Kinderschutz im Auto: Rückwärts sicher auf die Reise

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Gerade hat das statistische Bundesamt die neuen Zahlen zur Unfallbilanz in Deutschland veröffentlicht. Trotz weiterhin zunehmender Motorisierung sank die Anzahl der getöteten Verkehrsteilnehmer im Jahr 2006 auf 5.091. Das bedeutet einen Rückgang um fünf Prozent oder anders ausgedrückt: 270 Menschen weniger als im Jahr zuvor verunglückten tödlich im Straßenverkehr. Erfreulich ist auch, dass die Zahl der verunglückten Kinder unter 15 Jahre zurückgegangen ist. Insgesamt melden die Statistiker 34.398 Kinder, die als Verkehrsteilnehmer in einen Unfall verwickelt wurden. 136 Kinder starben. Zwar sind auch hier die Zahlen rückläufig, doch im Vergleich zu anderen Ländern – wie zum Beispiel Schweden – ist die Gefahr für deutsche Kinder und auch für Erwachsene im Straßenverkehr zu verunglücken oder sogar zu sterben immer noch deutlich höher.

Woran liegt das? Für schwedische Unfallforscher ist es ganz klar. In dem skandinavischen Land wird Verkehrsicherheit seit Jahren groß geschrieben. Dazu gehören neben den gut überwachten Geschwindigkeitslimits, straßenbauliche Maßnahmen, die ein Unfallrisiko minimieren sollen. Darunter zählen die Bemühungen, den Durchfahrtsverkehr aus den Städten und Dörfern umzuleiten, den innerstädtischen Verkehrsfluss dafür aber zu verlangsamen. Motorisierte und nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer sollen gleichberechtigt sein. Daneben arbeitet das schwedische Verkehrsministerium eng mit der heimischen Automobilindustrie zusammen, um die Sicherheit der Fahrzeuge und der Insassen zu erhöhen. So wertet Autobauer Volvo seit Jahren Unfalldaten aus, bei denen eines seiner Fahrzeuge verwickelt war. Diese Analyse beeinflusst die Weiterentwicklung der Autos. Ein Schwerpunkt liegt dabei beim Thema Kindersicherheit. Hier dürfen sich die Schweden als Vorreiter sehen. Bereits 1964 begannen sie an einem Kindersitz zu arbeiten. Das Besondere daran, war nicht nur der frühe Zeitpunkt, sondern auch, dass der Sitz rückwärts zur Fahrtrichtung montiert wurde. Ausschlaggebend waren die Beobachtungen aus der frühen Raumfahrt, bei denen die Astronauten zum Ausgleich der beim Start und bei der Landung auf sie einwirkenden Kräfte auf dem Rücken lagen. Das Prinzip, die Kräfte über den ganzen Rücken zu verteilen, wurde in den ersten Prototyp des Kindersitzes mit aufgenommen. Im Jahr 1972 wurde dann der rückwärts gerichtete Kindersitz eingeführt. Seit dieser Zeit werden in Schweden die Kleinkinder bis zum Alter von drei oder vier Jahren überwiegend in solchen Sitzen transportiert. Anders in Deutschland: hier finden meist nur die Babys in rückwärts ausgerichteten Schalen ihren Platz. Sobald sie dafür zu groß sind, kommen in Fahrtrichtung montierte Kindersitze zum Einsatz. Für die schwedischen Unfallforscher ein Unding. Sind doch Kinder keine kleinen Erwachsenen. Bei einem Neugeborenen macht der Kopf die Hälfte des gesamten Körpergewichts aus, im Vergleich dazu wiegt der Kopf eines Erwachsenen nur etwa sechs Prozent des Gesamtgewichts. Die Hals- und Nackenmuskulatur ist noch schwach. Damit ist die Verletzungsgefahr bei einem – statistisch am häufigsten vorkommenden – Frontaufprall für Kinder, die in Fahrtrichtung sitzen, besonders groß. In Fahrtrichtung sitzend wird der Körper bei einem Frontalaufprall zwar durch den Sicherheitsgurt zurückgehalten, während sich jedoch der Kopf nach vorne bewegt und den Hals belastet. Je nach Schwere des Unfalls und Größe des Kindes kann diese Belastung zu Verletzungen führen. Verletzungen an Kopf, Unterleib, Gliedmaßen, Brust und Wirbelsäule treten am häufigsten auf. Anders wenn die Kleinen mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzen: Hier werden die Aufprallkräfte über Kopf und Rücken verteilt, dadurch wird die Belastung des Halses beim Frontalaufprall reduziert. Daher plädieren die Schweden für den rückwärtsausgerichteten Kindersitz. Das Argument vieler (deutscher) Eltern, dass die Kinder nicht so Autofahren möchten, lassen die Skandinavier nicht gelten. In nordischen Gefilden ist das normal, die Kinder kennen nichts anderes und die Erziehungsberechtigen auch nicht. Ab ungefähr vier Jahren sind die Kinder dann alt genug, um in Fahrtrichtung in einem altersgerechten Sitz zu reisen. Die Schweden empfehlen, Kinder bis ca. zehn Jahre oder einer Körperlänge von 140 Zentimeter mit Hilfe eines Sitzes oder einer Sitzerhöhung richtig zu sichern. Der deutsche Gesetzgeber legt hier eine strengere Richtlinie vor. Hier zu Lande müssen die Kinder, bis sie 12 Jahre alt oder mindestens 150 Zentimeter lang sind, mit einem passenden Sitz im Auto transportiert werden.

Gleichgültig, mit welchem System Eltern ihre Kinder sichern: Wichtig ist, dass der Sitz zum Auto passt, richtig montiert ist und dass die lieben Kleinen immer korrekt angeschnallt werden: Auch bei Kurzstrecken.

Text: Elfriede Munsch