Buchtipp der Woche

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Dr. med. Marianne Koch: Die Gesundheit unserer Kinder. Was Sie über ihre körperliche und geistige Entwicklung wissen sollten.
Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv premium); 15 Euro.

Liebe Leserin, lieber Leser,wie unsere Kinder sich entwickeln, das hängt, so meint die Wissenschaft, zu 60 bis 70 Prozent von den Genen ab, die sie geerbt haben, und zu 20 Prozent von den Einflüssen des sozialen Umfelds, in dem sie aufwachsen. Der Rest ist Ihre Sache, liebe Eltern, und sagen Sie bloß nicht, das sei dann wohl eher unwichtig, schreibt die Autorin gleich im Vorwort.

Tatsächlich lassen die 10 Prozent beeinflussbarer Lebensfaktoren bei Kindern für engagierte Eltern genug Arbeit übrig. Zum Beispiel hierfür: 10.000 Mal Popo, Rotznase oder Schokomund abwischen – 100 Nächte bei zahnenden oder fiebernden Babys durchwachen – Mit ungerechten Lehrern diskutieren – Fahrräder samt Helmen finanzieren, desgleichen Computer, MP3-Player, die neuesten Klamotten, Fußbälle, Reitbeteiligung, Schulbücher, Klassenfahrten und natürlich Handys.

Und hat doch, wie Dr. med. Marianne Koch ganz klar darlegt, das große Los gezogen. Warum?

Wer sich heute für Kinder entscheidet, macht sie ganz automatisch zu Mitgliedern einer Informationsgesellschaft, deren Entwicklung noch gar nicht abzusehen ist, und völlig zu Recht beschreibt Frau Dr. Koch diese Entwicklung als Revolution. Wer aber in der Informationsgesellschaft aufwächst, wird nicht notwendigerweise auch gut informiert. Entsprechend geht es – zum Beispiel – darum, wie wichtig Bildung ebenso ist wie die Fähigkeit, sich via Sprache verständlich zu machen. Auch Drogen, vor allem die in ihrer Gefährlichkeit unterschätzten weichen Drogen wie Cannabis kommen zur Sprache, natürlich das zunehmende Phänomen Mobbing an den Schulen und vieles mehr.

Wie schon in früheren Büchern zeigt Dr. med. Marianne Koch auch in ihrem neuen Buch ihre entscheidende Stärke darin, dass sie erstens komplizierte wissenschaftliche Sachverhalte sehr bildlich und klar darzustellen vermag und zweitens keinerlei Berührungsängste mit heiklen Themen zeigt. Wohl wissend, dass – gleichfalls wichtige! – Aspekte wie die vollwertige Ernährung der Heranwachsenden und die Notwendigkeit sportlicher Betätigung ganz ausführlich auch in anderen Ratgebern nachzulesen sind, fasst sie diese angemessen etwas knapper und legt das Schwergewicht ihres Buches auf die sozialen Umfelder, in denen Kinder heute aufwachsen. Denn beides gehört zusammen: Intakte Muskeln sind zum Beispiel auch deshalb wichtig, weil sie die Schadwirkung nicht optimal gewählter (und welche wären das schon…) Sitze und Tische im Klassenraum abfangen müssen. Also: Sport!

Übrigens: Alles schön und gut, aber doch letztlich abhängig vom gut gefüllten Geldbeutel der Eltern? Nicht ganz – auch die Situation armer Familien in einem reichen Land kommt hier zur Sprache, ebenfalls mit Hinweisen, wie man aus einer solchen Situation entkommen kann.

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