Buchtipp der Woche

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Rüdiger Warnstädt: Ortstermine.
Verlag Das Neue Berlin; 12,90 Euro.

Seit er im Ruhestand ist, macht Rüdiger Warnstädt Ortstermie. So nennt der ehemalige Berliner Amtsrichter – bekannt für seine nachvollziehbaren und lebensnahen Urteile, die ihm das Attribut originell einbrachten – die Lesungen, zu denen er in seiner Eigenschaft als Autor gebeten wird. Denn in seinen Büchern reflektiert er, wie nebenbei, die deutsche Rechtssprechung, führt aus, was er für nachvollziehbar und was er schlichtweg für Unfug hält. Damit macht er das Gestrüpp der Juristerei für Laien durchschaubar.

Dass er diese Durchschaubarkeit auf amüsante Weise erreicht, ist zweifellos der Tatsache zu verdanken, dass Warnstädt als Autor auf den Spuren von Vorbildern wie Kurt Tucholsky wandelt.

So trägt er allerlei Amüsantes zusammen. Ein wiederholtes Thema ist, zum Beispiel, dass Rüdiger Warnstädt sich auch im (Un)-Ruhestand keinen Fernseher zugelegt hat. Bei einem Wohnungswechsel legte ein Elektriker dem Juristen dann doch einen Anschluss. Vorsorglich, denn – so fand der Elektriker – der Amtsrichter befinde sich nun in einem Alter, in dem erfahrungsgemäß die Bettlägrigkeit (mithin also die Dankbarkeit für die Möglichkeit, fernzusehen) nicht mehr allzu weit sei … Sein eigenes Alter gibt Warnstädt übrigens seit Jahren konsequent mit Einhundertzwei an.

Bisweilen erlebt er nicht nur Amüsantes, sondern gar Unglaubliches … zum Beispiel in Bielefeld, wo er an einer Ampel mit zwei zufällig des Weges kommenden Ordnungshütern aneinandergerät. Kurzum: Auch als Ruheständler ist der ehemalige Amtsrichter durchaus noch im Dienst – als Chronist des alltäglichen Wahn- und Irrsinns.

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