Mazda: Hakaze – selbstbewusstes Design-Statement aus Hiroshima

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Die Schuhe müssen draußen bleiben. Wer die seltene Gelegenheit, einen Messe-Prototypen selbst zufahren, wahrnehmen möchte, muss dies im Falle des Mazda Hakaze, ähnlich wie beim Betreten eines japanischen Hauses, ohne Schuhe tun. Schließlich soll das Einzelstück nicht schon vor dem Genfer Salon durch Kratzer verunziert werden. Dass Mazda eine solche Studie vor der eigentlichen Premiere überhaupt von Journalisten fahren lässt, darf als Ausdruck eines neu gewonnen Selbstbewusstseins der Japaner gelten.

Die Cross-Over-Studie Hakaze ist bereits das dritte Modell, das die neue Designsprache Nagare verkörpert. Nagare hieß die erste Studie des neuen Mazda Designchefs Laurens van den Acker, die ihre Premiere vergangenen Herbst in Los Angeles feierte. Daraus haben van den Acker und sein Team mittlerweile eine Mazda eigene Design-Philosophie entwickelt. Nagare steht für fließende, natürliche Formen und Oberflächen, wie sie beispielsweise Wind und Wasser in den Sand formen. So ist die Karosserie des Hakaze von Dünen und Wellen inspiriert. SUV-Elemente, wie die großen Räder oder der hohe Hüftpunkt treffen in der Studie auf das luftige Raumgefühl eines Roadsters und das freche Auftreten eines besonders markanten C-Klasse-Kompaktwagens. Tatsächlich könnte man aus dieser Studie sowohl einen Golf-Konkurrenten, ein kompaktes SUV oder den Nachfolger des Sportwagens RX8 entwickeln.

Schon von weitem grinst einen der Hakaze frech an. Der überdimensionale Grill gibt dem Japaner ein freundlich, verschmitztes Gesicht. Die große gewölbte Panorama-Scheibe sorgt für das luftige Raumgefühl, während die sanft ansteigende Seitenlinie Dynamik verkörpert. Die Panorama-Scheibe hat keine direkte Verbindung zur A-Säule, was erheblich zum Cabrio-Gefühl beiträgt. Die für die Struktur unerlässlich A-Säule ist relativ schmal wie bei einem Überrollkäfig ausgeführt, was in einer Serienproduktion wahrscheinlich nicht einfach umzusetzen ist. Ebenso wenig kommen die fast schwebenden Sitze in einen Produktionswagen. Die Idee, den Rücksitz bei Nicht Benutzung wie einen Konferenzstuhl einfach unter den Vordersitz zu schieben, könnte aber durchaus realisiert werden, wenn man denn eine andere Schienenlösung findet. Weitere pfiffige Designideen wie die vielen versteckten Ablagen oder das Targa-Dach für die Fond-Passagiere sind produktionstechnisch realisierbar. Zukunftweisend scheint das Bedienkonzept mit individuell programmierbaren Displays und einem Schlüsselsystem, das alle persönlichen Einstellungen bis hin zur Musik und der Navigation auf einem 20-Gigabyte-Stick bereithält und so auch einen Diebstahl des Wagens weitgehend ausschließt. Damit der Hakaze tatsächlich fährt, haben ihn die Techniker auf die verkürzte Plattform des CX7 gestellt. Von der üppigen Motorleistung bleibt bei den Probefahrten am Hafen von Barcelona allerdings das meiste ungenutzt. Man will nur zeigen, dass er fährt und dass man ein solches Auto bauen kann.

Seit der Niederländer Laurens van den Acker vor einem Jahr die Leitung der Design-Abteilung von Mazda übernommen hat, tritt die Marke auf Messen sehr selbstbewusst auf. Ein Mazda muss als Mazda erkennbar sein, lautet das Credo des Designers. Wenn er zudem sichtlich als japanisches Auto daherkommt, umso besser. Nachdem schon Toyota und Lexus die Arbeit ihrer Designer mehr in den Vordergrund stellen und eine typisch japanische Formensprache entwickelt haben, sieht sich van den Acker auch mit seiner Philosophie Nagare auf dem richtigen Weg für den künftigen Markenauftritt. Vom bisherigen Mazda-Stil bleibt der Fünf-Punkte-Grill erhalten. Allerdings wird er sich, passend zum jeweiligen Segment und zum gewollten Auftritt des Autos stark unterscheiden. Es gilt aber nicht mehr die Formel kleiner Grill, kleines Auto, großer Grill, großes Auto erläuterte van den Acker. Ein Fahrzeug wie der Hakaze kann ein deutliches Statement in der Kompaktklasse abgegeben und darf einen großen markanten Grill mit einem frechen Gesicht haben, erklärte der Niederländer in Barcelona.

Vor der Konzeption der Studie hat sich das Entwicklungsteam ausführlich mit den Wünschen potentieller Kunden in Europa auseinander gesetzt. Kompakte SUVs scheinen dabei eine besondere Rolle zu spielen, weil sie Freizeitnutzen und praktische Werte ideal miteinander verknüpfen. Für den Hakaze standen die Bedürfnisse der Kite-Surfer ganz groß im Lastenheft. So hat die Studie beispielsweise ein Schienensystem zur Befestigung der Surf-Bretter im Innenraum integriert. Ähnliche Lösungen wären beispielsweise für Radsportler denkbar. Wie viel letztlich von solchen Ideen in die Serie kommt, entscheidet sich an den Kosten. So kann sich Mazda-Europa Geschäftführer Michael Bergmann durchaus die Technik des Mazda 3 unter dem Crossover-Konzept des Hakaze vorstellen. Mit Verzicht auf teure technische Lösungen wie den Allradantrieb, die derzeit mit der CX7-Plattform verbunden sind, sollte der Marktpreis um 18.000 Euro liegen. Das zieht dann den potentiellen Kunden auch nicht die Schuhe aus.

Text: Günter Weigel

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