Test-Tour: Fiat Croma 2.4 JTD

Foto 1
Foto 2

Klassische Kombis haben es immer schwerer, sich gegen die Vielzahl der breitflächig nutzbaren Großraumlimousinen, die mittlerweile in fast jedem Fahrzeugsegment dominieren, durchzusetzen. Einer der interessantesten Vertreter dieser Gattung ist die neue Generation des Fiat Croma, die wir mit der Top-Motorisierung, einem 2,4-Liter-Common-Rail-Diesel mit 200 PS fuhren.

Was erwarten wir von einem Kombi? Gut, Ladequalitäten muss er haben. Groß, geräumig und bequem muss er sein und die Fahreigenschaften dürfen nicht hinter denen einer Limousine zurück stehen. Doch das allein, auch noch gepaart mit einem funktionellen Innenraum, genügt mittlerweile nicht mehr, um sich gegen die Van-Konkurrenz auf Dauer behaupten zu können. Auch ein Kombi, einstmals erfunden, um Fahrer und Material möglichst wirtschaftlich von Punkt A nach B zu bringen, braucht heutzutage Charakter, etwas Charisma. Ein Kombi ohne auffallende optische Merkmale ist so etwas wie die automobile Version des Mann ohne Eigenschaften.

Von der Vorgänger-Generation des Croma, die damals mit der ersten weltweit eingesetzten Version eines Dieselautos mit Direkteinspritzung von sich reden machte, hat Croma 2 bestenfalls noch den Auftrag, kaum aber noch die Form übernommen. Mit einer Höhe von 1,60 Meter überragt er die Klassenkameraden erheblich, bietet zudem in Länge, Breite und Radstand die notwendigen Voraussetzungen, um dem Lademeister-Anspruch gerecht zu werden. Doch als Vertreter der Italo-Fraktion macht der neue Croma auch optisch etwas daher, hat die brave Durchschnitts-Erscheinung des ersten Modells zugunsten eines von Meister Giugiaro gefertigten Blechkleides abgelegt.

Eleganz und Funktionalität dominieren auch den Innenraum. Große Glasflächen, ein überdurchschnittliches Raumangebot und eine erhöhte Sitzposition machen den neuen Fiat Croma zu einer angenehmen Reiselimousine mit Kombi-Qualitäten. Das aufwendig konstruierte Fahrwerk mit einer Multilenkerachse hinten trägt dazu in großem Maße bei. Angenehme Nebenerscheinungen wie ein zum Tisch umklappbarer Fahrersitz oder eine Zweizonen-Klimaautomatik, Lederausstattung, Kühlbox, CD-Wechsler und Trip-Computer ergänzen das umfassende Komfortangebot.

Insgesamt neun Airbags schützen die Insassen, an den aktiven und passiven Sicherheitseinrichtungen, die in dieser Klasse nicht immer üblich sind, mangelt es dem Croma nicht. In Verbindung mit der Sechsgang-Automatik (eine manuelle Schaltkulisse wird wahlweise angeboten) bringt das 200-PS-Multijet-Aggregat die Kraft komfortabel aber auch wohl dosiert auf die Straße. Leichte Untersteuerungstendenzen können den guten Gesamteindruck auch auf langen Autobahnstrecken oder bei der Bewältigung kurviger Landstraßen nicht trüben.

Insgesamt lagen wir bei dem von uns errechneten Durchschnittsverbrauch des Selbstzünders, der die Abgasnorm EU 4 erfüllt und mit serienmäßigem Partikelfilter ausgerüstet ist, bei 7,8 Litern. Mit einer vom Werk angegeben Höchstgeschwindigkeit von 216 km/h ist man flott, aber dennoch entspannt unterwegs. Fiat hat offensichtlich mit dem Croma der zweiten Generation einen Volltreffer gelandet in einem Marktsegment, das nur scheinbar vom Aussterben bedroht ist. Der klassische Kombi wird, wenn dergestalt zur multifunktionalen Limousine umgewandelt wird, auch in Zukunft nicht tot zu kriegen sein. Die Preisliste für den Fiat Croma in der von uns gefahrenen Motorisierungs-Variante beginnt bei 30.900 Euro.

Text: Jürgen C. Braun

Scroll to Top