Test-Tour: Citroën C4 Picasso

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Mangelnder Ideenreichtum wäre wohl so ziemlich das Letzte, was man dem französischen Automobilbauer Citroën vorwerfen kann. Doch die Ideen zu entwickeln, sie vielleicht auf einer Messe in einem Concept Car zu präsentieren, ist das eine Ding. Sie jedoch auch in der Serienfertigung umzusetzen, das andere. Und da ist der neue C4 Picasso wieder einmal das beste Beispiel für allerlei nützlichen Beirat – über deren Sinn man zuweilen sogar streiten könnte – den Citroën dem Siebensitzer mit auf den Weg gegeben hat.

Das beginnt schon mit der optischen Darstellung. Seht her, da bin ich, ist die Devise des neuen C4 Picasso, der mit gigantischen 6,4 Quadratmetern an Fensterfläche so etwas wie ein fahrendes Glashaus ist. Wo andere Hersteller die Gürtellinie streng nach oben ziehen, die Fahrer fast in engen Monoposti versinken lassen, ebnet Citroën der automobilen Freiheit der Insassen den Weg. Dadurch entwickelt sich hinter dem ganzen Glas ein bisher nicht bekanntes Van-Gefühl. Die weit ins Dach hinein gezogene Frontscheibe lässt den Blick nach oben frei, die bei übrigen Vans üblichen dicken Rahmen der Frontscheibe entfallen und sorgen für Panorama-Rundblick. Getoppt wird das Ganze noch durch das (aufpreispflichtige) große Glasdach.

Fahren im C4 Picasso erfordert zunächst einmal ein Umdenken. Denn während der Hersteller das Fahrzeug immer noch als Mittelklasse-Van bewirbt, entwickelt der Verwandlungskünstler eher Reminiszenzen an den großen C8. Wuchtig, hoch, langer Radstand, kraftvoller Frontpartie, markantes Heck mit großen Rückleuchten. Ideenvielfalt findet sich auch im Innenraum, wie etwa bei den in der Mitte des Armaturenbrettes positionierten Anzeigen, einer Ambientebeleuchtung bei Dunkelheit oder dem an der Lenksäule positionierten Wahlhebel für das elektronisch gesteuerte Sechsgang-Getriebe EGS. So entsteht in der Mitte Platz für ein großes Kühlfach. Wie gesagt, Ideen muss man nicht nur haben, sondern auch umsetzen. Ob kleine Extravaganzen wie ein Parfum-Spender oder der Spurassistent (Poporüttler) da auch dazu gehören müssen, ist zumindest eine Diskussions-Grundlage.

Dem C4 Picasso geht das für Citroën typische hydropneumatische Fahrwerk mit dem leicht schaukelnden Fahrgefühl etwas verloren, zumal auch die Stahlfedern und die bei der Topversion eingesetzte Luftfeder mit automatischer Niveauregulierung das Gefühl für den Untergrund weitestgehend neutralisieren. Die Arbeit am Lenkrad kann mit dem kleinen Finger erledigt werden, mit leichten Untersteuerungs-Tendenzen eilt der C4 Picasso, vom ESP sanft manövriert, fast schwerelos durch das Asphalt-Geschlängel.

Das halbautomatische EGS-Getriebe weist fühl- und messbare Vorteile gegenüber der Fünf-Gang-Handschaltung oder der Vier-Gang-Automatik beim Verbrauch auf. Dies gilt sowohl bei dem 136 PS starken Zwei-Liter-Diesel wie auch dem Zwei-Liter-Benziner mit 141 PS, deren Höchstgeschwindigkeit jeweils knapp unter der Marke von 200 km/h liegt. Der knapp 4,60 Meter lange, 1,82 Meter breite und 1,70 Meter hohe C4 Picasso ist ein Siebensitzer mit hoher Funktionalität. Ruck-Zuck ist aus dem fünfsitzigen Familien-Reiseauto auch ein Raumfahrzeug für bis zu sechs zusätzliche Passagiere geworden. Naturgemäß sollten auf der hinteren Sitzeinheit Kinder Platz nehmen. Mit bis zu 576 Liter Stauraum hinter den in der Neigung verstellbaren drei Sitzen der zweiten Reihe erfüllt der Franzose alle urlaibsrelevanten Ansprüche einer Familie. Die Sitze lassen sich schnell und ohne Kraftaufwand versenken.

Den C4 Picasso gibt es mit zwei Benzin-Motoren und drei Diesel-Aggregaten in den Varianten Advance, Style, Comfort, Tendance und Exclusive. Die Preisliste beginnen bei 20.800 Euro für den kleinen Benziner und reicht bis 29.400 Euro als Exclusive mit dem großen Diesel und EGS-Getriebe.

Text: Jürgen C. Braun

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