Erste Erfahrungen: Porsche 911 Targa 4S

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Porsche gehört zu den beneidenswerten Automobilunternehmen, deren Kunden gerne immer etwas mehr nehmen, nicht nach Rabatten fragen und auch noch froh darüber sind, ein besonders teures Auto zu fahren. Selbst im kriselnden US-Markt konnten die Zuffenhausener im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr noch zulegen. Den Nachfragezyklus heizt das Unternehmen auch mit immer neuen Ablegern des Klassikers 911 an. Im November kommt nun der 911 Targa der Baureihe 997 auf den Markt. Targa, das war von 1966 bis Anfang der Neunziger Jahre der offene Porsche mit breitem Überrollbügel. Ab 1996 wurde aus dem Bügel-Cabrio ein Glasdach-Coupé mit praktischer Heckklappe. Der jetzt vorgestellte Targa verkörpert schon die vierte Generation dieser Gattung.

Vom Coupé unterscheidet sich der Targa durch die geänderte Silhouette der C-Säule und natürlich durch das durchgängige Glasdach. Immerhin 1,5 Quadratmeter Glas wölben sich über dem Passagierraum. Knapp einen halben Quadratmeter davon kann man per Knopfdruck öffnen. Das ist etwas mehr als die doppelte Fläche eines herkömmlichen Schiebedachs und verhilft auf die Schnelle und bei jedem Tempo zu einer extra Portion Frischluft im Auto. Gegenüber dem Vorgänger wurde das Dach etwas leichter. Rund 2 Kilogramm speckten die Techniker durch dünneres Glas ab. Das gesamte Glasdach wird von Magma Steyr zugeliefert und durch 16 Schrauben mit der Karosse verbunden. Gegenüber dem Coupé ist der Targa rund 55 Kilogramm schwerer, dafür aber etwa 30 kg leichter als das Cabrio. Durch eine dezente andere Abstimmung des PASM genannten aktiven Fahrwerks des Targa S fährt sich der Sportler genauso agil wie das Coupé. Die zusätzlichen Pfunde sind im Alltag nicht zu merken. Beim Basismotor wurden Federn und Dämpfer auf das Zusatzgewicht angepasst.

Durch praktische Details wie die gläserne Heckklappe eignet sich der Targa wie gehabt besonders als Reise-Porsche. Er fasst mehr Gepäck und man kommt leichter dran als beim Coupé. Die zusätzliche Frischluftoption bietet vor allem auf Landstraßen einen besonderen Reiz, zumal sie nicht wie beim Cabrio mit Verwirbelungen und hoher Lautstärke bezahlt wird. Bei geschlossenem Dach ist der Targa einfach heller und freundlicher als ein Coupé. Vor zuviel Sonne schützt bei Bedarf ein elektrisches Rollo.

Antriebseitig unterscheidet sich der Targa nicht von seinen 911-Brüdern mit Allradantrieb. Die Targa-Karosse basiert auf dem etwas breiteren Carrera 4 und ist entsprechend ausschließlich mit Vierradantrieb zu haben. Der Einstiegsmotor bietet 325 PS/239 kW Leistung und reicht für fast alle Ansprüche. Trotzdem entscheidet sich, wie bei allen Elfern, die Mehrheit der Käufer für den stärkeren Targa S mit 355 PS/ 261 kW. Mit 288 km/h Spitze ist er etwas schneller als der Targa (280 km/h). Auch beim Prestigesprint auf 100 km/h hat er gegenüber dem schwächeren Bruder mit 4,9 Sekunden statt 5,3 Sekunden die Nase vorne. Da diese Werte im Alltag keine Rolle spielen, scheint einfach das Wissen um die höhere Leistung den Ausschlag zu geben. Porsche wird es recht sein, schließlich ist der S satte 10.000 Euro teurer. Mindestens 102.167 Euro schreibt der Händler in Deutschland auf die Rechnung. Die Serienausstattung ist, wie bei allen Elfern, ganz ordentlich und umfasst neben Ledersitzen auch Klimaautomatik und ein Soundsystem. Die Liste der möglichen Individualisierungen ist aber dick wie ein kleines Telefonbuch.

Vom Vorgänger hat Porsche insgesamt etwa 5.000 Einheiten verkauft. Der neue Targa soll die Zahl überbieten. Unter den Elfern bleibt der Targa trotzdem das Minderheitenangebot. Nur 5 bis 7 Prozent der Kunden entscheiden sich für das Glasdach-Coupé, doch auch mit dieser Nische macht das Unternehmen Kunden und Aktionäre glücklich.

Text: Günter Weigel

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