Lancia: Ehrgeizige Pläne zum 100. Geburtstag

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Seit 100 Jahren gibt es nun die italienische Edel-Marke Lancia. In dieser Zeit hat die Firma einiges zur Entwicklung des Automobils beigetragen und vor allem bis in die sechziger Jahre hinein gerne immer die technisch aufwändigste und teuerste Lösung angeboten, was wirtschaftlich immer mehr zum Nachteil des Unternehmens geriet. So entstanden formvollendete Luxusautos wie die Aurelias und die GT Spider der fünfziger Jahre, aber auch reinrassige Sportgeräte wie der Stratos der Siebziger oder etwas später der Delta Integrale als Basis für Rallyes. Derzeit dümpelt die Marke dahin und wird außerhalb des Heimatmarktes kaum wahrgenommen. Auch hat sich das Produktangebot auf gehobene, schicke Kleinwagen spezialisiert. Tatsächlich macht der Lancia Y das Gros der Bestellungen aus.

Den runden Geburtstag hat die Fiat-Tochter Lancia zum Anlass genommen, ehrgeizige Wachstumspläne für die nächsten Jahre bekannt zu geben. Demnach soll der zurzeit bei rund 127.000 Einheiten liegende Jahresabsatz bis 2010 auf 300.000 Einheiten gesteigert werden. Lancia will dies vor allem über zwei Hebel erreichen: Eine Modelloffensive und deutlich mehr Verkäufen außerhalb Italiens.

Rund 80 Prozent des Gesamtabsatzes oder etwa 100.000 Fahrzeuge werden in Italien verkauft. Bis 2010 soll der Absatz außerhalb Italiens gleichgezogen haben. Den Sprung von 100.000 auf 150.000 Einheiten in Italien ist Lancia dabei durchaus zuzutrauen. Für die anvisierte Versechsfachung des Auslandsvolumen von derzeit rund 25.000 Stück auf ebenfalls 150.000 Stück muss die Marke allerdings noch ein großes Stück weg zurücklegen. Helfen dabei soll unter anderem die Wiederbesetzung des englischen Marktes und die Verkaufseinführung in Japan.

Erstes Produkt der Modelloffensive ist als fünfte Modellreihe der Lancia Delta, der als Delta HPE zur Zeit in einer Concept Car-Version Händlern und Journalisten in Venedig gezeigt wurde, aber schon recht nah an der späteren Serienversion sein dürfte. Das Fahrzeug erlebt seine Publikumspremiere auf dem Pariser Salon Ende September. Der Delta ist eine Limousine mit vier Türen und Heckklappe, 4,50 Meter lang und mit einem Radstand von 2,70 Meter. Die hohe Gürtellinie mit schmalen seitlichen Fenstern und die coupéhaft abfallende Dachlinie sorgen für eine neue Sportlichkeit bei Lancia, die deutlich in Richtung der Schwestermarke Alfa Romeo geht. Anders als Alfa bietet Lancia beim Delta jedoch ein recht großzügiges Raumangebot auch auf den Rücksitzen.

Der Delta wird im zweiten Quartal 2008 auf den Markt kommen und soll jährlich rund 60.000 Mal verkauft werden, etwa 50 Prozent des Volumens davon außerhalb Italiens. Für kurzfristige Belebung der Lancia-Verkäufe soll die gerade vorgenommene Überarbeitung des Ypsilon sorgen, auf den aktuell immerhin 65 Prozent aller Lancia-Verkäufe entfallen und aus dessen Abhängigkeit man sich in den kommenden Jahren schrittweise befreien will. Der Dreitürer wendet sich im B-Segment an Kunden, die sich mit italienisches Flair und Design von den Polo- oder Corsa-Fahrern abheben wollen und spricht zur Zeit überwiegend modisch orientierte Frauen an. Künftig soll der Y sowohl für Männer als auch für junge Käufer interessanter werden. Letztere spricht Lancia mit der günstigen Einstiegsvariante Argento an, die in Italien knapp über 10.000 Euro kostet.

Text: Günter Weigel

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