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Von Renn-Fahrrädern und Traktoren – Jürgen C. Brauns Tour-Tagebuch

Das war die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Ausschlafen, essen, massieren, ein bisschen Fahrrad fahren, noch mal Massage, früh in die Kiste. So beschrieb Gerolsteiner-Profi Markus Fothen den ersten Ruhetag der Tour am Montag in Bordeaux. Was er mit ein bisschen Fahrrad fahren meinte, waren übrigens so lockere 70 bis 80 Kilometer. Unsereins sieht sich schon bei Kilometer 20 nach dem Hirschtalg für das eingenähte Lederstück in der Fahrradhose um. Sie wissen schon – leichte Sitzbeschwerden, und der berühmt-berüchtigte Wolf fährt ja auch immer ein bisschen mit.

A propos Markus Fothen. Ein ganz interessanter Typ. Der Vater hat zu Hause am Niederrhein einen Bauernhof, Markus ist gelernter Landwirt, kann mit der Mistgabel genau so gut umgehen wie mit dem Fahrradlenker. Im Schweinemastbetrieb seiner Eltern hat er eine dreijährige Ausbildung zum Landwirt absolviert. Wenn Du als Bauernsohn groß wirst, wird Dir das in die Wiege gelegt, sagt er. Also auch Schweine füttern, melken und – Traktor fahren. Eins meiner Hobbies, grinst der 24-Jährige und offenbart dabei Kenntnisse, die eine zweite Karriere hinter der des Radprofis vermuten lassen. Wäre auch ein ganz guter Student der Maschinenbau-Technik geworden, unser Markus, denke ich mir.

Denn Markus kennt den Traktor zu Hause in Vorst, ein Vorort von Kaarst am Niederrhein, offensichtlich aus dem Effeff. Mein erster Traktor war aus Holz, den habe ich mit meinem Bruder aus einem Baukasten zusammen gebaut, weiß er noch heute. Ein Fendt mit knapp 100 PS, mit Kabine, Druckluft, Zapfwellen, Heck- und Fronthydraulik, stehe zu Hause. Also ehrlich gesagt, da bleibt mir ein bisschen die Luft weg. Sowas von einem Radprofi.

Ab jetzt könnte Markus Fothen die Pferdestärken des heimatlichen Bulldogs gut gebrauchen. Gestern ging es zum ersten Mal in die Pyrenäen, dann folgen die Alpenriesen. Die muss er aber mit nur ein MS (Menschenstärke) bezwingen, anstatt mit 100 Pferden aus dem heimatlichen Fendt. Doch das jagt ihm offensichtlich keine Angst ein. Zu Hause kann ich die Berge trainieren, sagt Markus und grinst. Und dann verrät er uns. Die höchste Erhebung bei Kaarst sind die Vollrather Höhen. Die sind 180 Meter hoch.

Vielleicht, denke ich mir, würde ich die auch noch schaffen. Sogar ohne Hirschtalg in der Hose.

Bis zum nächsten Mal, viel Spaß bei der Tour im Fernsehen. Und drücken Sie unserem Bauerssohn die Daumen.

Ihr Jürgen C. Braun

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