Erste Erfahrungen: KIA Carnival 2006

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Der Van ist tot, es lebe der Van. Ganz frei nach dem historischen Königsspruch könnte man die Bemühungen des koreanischen Herstellers Kia beurteilen, das Segment der großen Vans wieder zu beleben. Komplett neu entwickelt und nach den Bedürfnissen der Kunden in USA, Europa und Japan ausgerichtet, tritt der Carnival am 21. Juli gegen die etablierte Konkurrenz aus Frankreich und Deutschland an.

Viel Auto für wenig Geld war die Devise beim Vorgänger, der Neue bietet tatsächlich etwas weniger Auto, weil die Länge um knappe 12 Zentimeter auf nur mehr 4,81 Meter schrumpfte, für den US-Markt und Korea ist auch eine 5,10 Meter-Variante im Angebot. Hierzulande legen die Kunden mehr Wert auf Wendigkeit, und da bietet die kürzere Version deutlich Vorteile – auch wenn es in die europäischen Parklücken geht. Im Gegenzug wuchs der Wagen in der Breite und Höhe, was dem Raumgefühl zu Gute kommt. Optisch weniger Auto ja, aber alles in allem doch mehr fürs Geld: Das liegt nicht zuletzt an der sehr guten Ausstattung und der deutlich verbesserten Sicherheit des Siebensitzers. ESP sowie die heute übliche Airbagsammlung sind vorhanden und bei der Stabilität des Blechs legten die Koreaner deutlich zu. In den USA wurde dem Carnival bereits attestiert, derzeit der sicherste Van zu sein. Das stabile Blech wiegt: rund zwei Tonnen bringt der Van auf die Waage und da muss es beim Motor schon ein bisschen mehr sein, will man im Verkehr nicht als Hindernis gelten. Rund 95 Prozent der jährlich 7.500 Carnival-Kunden werden sich in Deutschland für den 2,9-Liter-Vierzylinder Diesel mit 136 kW/185 PS entscheiden. Der Vierzylinder läuft harmonisch und bietet mit 343 Newtonmetern ab 1.500 Touren auch genügend Kraft für die Familienkutsche aus Korea. Der Verbrauch bleibt bei neun Litern im Schnitt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 197 km/h. Allerdings leistet er sich ein bemerkenswertes Turboloch. Zwischen Durchtreten des Gaspedals und der Umsetzung in Vortrieb vergeht eine Gedenksekunde. Vor allem mit dem serienmäßigen Fünfgang-Handschalter will keine rechte Fahrfreude aufkommen. Optional steht für die Dieselfraktion eine Fünfgang-Automatik in der Preisliste. Die Minderheit der Benzinkunden entscheidet sich für den 2,7-Liter-V6 mit 139 kW/189 PS (Spitze: 192 km/h, Verbrauch: 10,9 Liter) und muss sich automatisch mit vier Gängen begnügen, wenn sie nicht selbst schalten möchte. Spaß macht der Van, wenn man ihn zum Cruisen nutzt. Das gelassene Schlendern ist seine Domäne. Die schluckfreudige Federung im neuen Fahrwerk macht auch lange Touren angenehm.

Das Interieur des Carnival erinnert ein bisschen an frühes Japan-Design gepaart mit heutigem Materialien. Nicht schlecht, aber auch nicht lobenswert: funktional eben. Sieben Einzelsitze bieten für die entsprechende Zahl Erwachsene ausreichende Platzverhältnisse für kurze Touren. Besser geht es mit Kindern bis zwölf Jahre. Alle Sitze haben eine variable Lehne, so dass sich notfalls ein große Liegefläche erstellen lässt. Richtig vielseitig wird der Carnival, weil man die Sitze auch einzeln entnehmen kann. Das jeder Sitz 28 Kilo wiegt, dürfte dies aber zum seltenen Fall werden lassen. Wer nicht zu oft mit voller Besetzung reisen muss, lässt am besten die dritte Reihe weg und profitiert vom größeren Kofferraum. Während bei voller Bestuhlung nur 172 Liter Gepäck hinter die Sitze passen, sind es dann satte 1.263 Liter.

Die Ausstattung ist weitestgehend komplett. Eine serienmäßige Klimaautomatik, die getrennt für Fahrer, Beifahrer und Fond regulierbar ist, kann man in dieser Klasse sonst wo lange und vergeblich suchen. Ein ordentliches Audio-System ist ebenfalls an Bord. Kia bietet den Carnival 2.9 CRDi in drei Ausstattungsvarianten an: LX ist für 27.490 Euro die üppige Standardversion, darauf folgen EX Basis (29.290 Euro) und EX (31.190 Euro). Den Benziner gibt es ausschließlich als EX für 31.135 Euro. In dieser Version gibt es neben einem elektrischen Kofferraumdeckel auch elektrisch betätigte Schiebetüren ab Werk.

Text: Günter Weigel

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