Nürburgring rechnet mit neuem Boom, aber…

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Nach Michael Schumachers Sieg beim Großen Preis von San Marino ist die Nachfrage nach Tickets für den Großen Preis von Europa am Sonntag in der Eifel sprunghaft angestiegen. Der Geldsegen der vergangenen Jahre gehört dennoch der Vergangenheit an.

Walter Kafitz strahlt mit der derzeit in der Eifel brillierenden Sonne um die Wette, wenn er an das bevorstehende Rennen denkt. Ich hoffe auf insgesamt 300.000 Zuschauer am gesamten Wochenende, sagt der Geschäftsführer der Nürburgring GmbH. Nach dem Seuchenjahr der Ferraristi mit nur einem geschenkten Sieg in Indianapolis ist rechtzeitig vor dem ersten Formel-1-Rennen auf deutschem Boden in diesem Jahr das Schumi-Fieber wieder ausgebrochen. Das Ergebnis von Imola war im wahrsten Sinn des Wortes Gold wert für uns, sagt Kafitz. Hätte erneut Alonso, oder auch sein Teamkollege Fisichella im Renault dominiert, hätte uns das viele Fans gekostet. Eine blau-gelbe Dominanz wäre erdrückend gewesen. Wir leben und sterben eben immer noch mit den Erfolgsaussichten von Michael. Um mehr als 30 Prozent ist die Ticket-Nachfrage nach Schumachers Erfolg angestiegen, deswegen ist sich Kafitz auch sicher, dass in diesem Jahr mehr als die 290.000 Besucher des Vorjahres kommen werden.

Erneut werden viele Wirtschaftszweige vom Millionenspiel Formel 1 profitieren, darunter auch etliche mittelständische Gewerbetreibende in der Region. An die 3.000 meist kleinere Unternehmen, Tankstellen, Hotels, Privatpensionen und Geschäfte mit etwa 15.000 Angestellten und Beschäftigten saugen ihren Nektar aus den Vorstellungen des Zirkus Ecclestone. Sie alle leben teilweise vom Konsum rund um die Rennstrecke in der Eifel, insbesondere aber von den Superstars der Formel 1. Es gibt zwar keinen Boom mehr wie in den späten Neunziger Jahren, aber wieder einen positiven Trend, skizziert Kafitz die aktuelle Stimmungslage. Der strukturschwachen Region wird am Sonntag abend, wenn die großen Formel-1-Trucks wieder abziehen, vermutlich ein Gewinn (!) von zehn Millionen Euro übrig bleiben.

1995 ist die Formel 1 in die Eifel zurück gekehrt. In diesem Jahrzehnt wurden rund um die Nürburg zwei Millionen Übernachtungen bei den Gastspielen von Schumi und Co registriert, insgesamt wurde in der Gastronomie ein Umsatz von 50 Millionen Euro verzeichnet. An dieser Entwicklung haben auch der Nürburgring selbst und das Land Rheinland-Pfalz einen großen Anteil. Immer wieder wurde modernisiert, die Boxenanlage erweitert und ausgebaut und den Bedürfnissen der Fans Rechnung getragen. Mehr als 50 Millionen Mehrwertsteuer-Einnahmen, so schätzt Kafitz, flossen an das Land, das den Umbau der Grünen Hölle finanziell mit unterstützt hatte, zurück.

Doch der Ring und diejenigen, die dort das Sagen haben, können sich nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen. Denn zweistellige Wachstumsraten, wie sie in den Jahren der großen Schumacher-Erfolge fast an der Tagesordnung waren, sind vorbei. Im Zeitalter von Hartz IV und angesichts von fast fünf Millionen Arbeitsloser kein Wunder. Da werden Maßnahmen wie beispielsweise der BMW Pit Lane Park, mit dem die Unternehmen mehr Nähe zu den Fans demonstrieren wollen, auch von der Nürburgring GmbH begrüßt. Denn die Eifel-Rennstrecke muss auch angesichts der schwelenden Finanzkrise rund um die zweite deutsche Formel-1-Strecke, den Hockenheimring, darauf bedacht sein, ihre Attraktivität und damit ihre Eigenständigkeit zu bewahren.

Angesichts dieses Szenarios ist Kafitz darauf bedacht, über das Jahr 2009 hinaus zu denken. Bis zu diesem Jahr gilt der Vertrag seines Unternehmens mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und der Nürburgring-Chef hat keine große Lust, sich ab dann im Wechsel mit den Badenern jährlich einen einzigen deutschen Auftritt zu teilen. Bis dahin hofft der smarte Manager, wird Michael hoffentlich noch weiter machen. Sein Wert ist für uns finanziell überhaupt nicht zu schätzen. Alles andere, was danach kommt, sei Zukunftsmusik. Im Moment klingen die Melodien eigentlich recht einschmeichelnd. Und am Ring tun sie alles dafür, dass dies auch so bleiben wird.

Text: Jürgen C. Braun

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