Test-Tour: Cadillac CTS

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Der Cadillac CTS ist so etwas wie die europäisierte Version eines Amischlittens schlechthin. Seiner üppigen, schwülstigen Formen beraubt, dem Diktat von Marktforschern und deren pragmatischen Resultaten unterworfen. Ein Auto, mit dem die Amis Europa ein zweites Mal erobern wollen. Die zweite Auflage des D-Day, diesmal einer der humanen und erfreulichen Art.

Dwight D. Eisenhower; von seinen Landsleuten liebevoll Ike genannt, rollte in einem offenen 1953er Eldorado zur Amtseinführung als 34. Präsident der Vereinigten Staaten, J. F. Kennedy wurde mitsamt Jackie in einem Staats-Cadillac zu seinen öffentlichen Auftritten gefahren. Ein Cadillac, das war Amerika in seiner ursprünglichsten, puritanischsten Erscheinungsform. Die Inkarnation des verschwenderischen Luxus zwischen Golden Gate und Liberty.

Und jetzt so ein Fahrzeug. Zurecht gestutzt, auf europäische Ratio im Automobilbau minimiert. Eine blecherne Zwangsjacke anstelle monumental ausufernder Designer-Träume, die einst Haifischzähne und Schiffsbug-Motive als Stilelement eines Automobils zu Ehren kommen ließen. Was dennoch geblieben ist, ist die Lust am Spiel mit den Formen. Am Kubus, an Dreieck und Ellipse, die sich überall in der Formengestaltung des CTS – wenn auch in mannigfaltiger Detail-Ausführung – wieder finden. Dem nur auf den ersten Blick vermeintlich erkennbaren Stilbruch wurde in liebevoller Hingabe auf subtile Art entgegen gewirkt.

Im CTS fährt man nicht. Man rollt, man flaniert, sich dennoch der voluminösen Kraft des Sechszylinders mit seinen 3,2 Liter Hubraum und seiner 218 PS bewusst. Die seidenweiche Automatik spielt mit den Übergängen wie auf einer perfekt abgestimmten Klaviatur des Getriebes. Gerade mal 1.400 Umdrehungen weist der Motor bei 50 Sachen in der Stadt auf. Wer es anders mag, bitte schön: Eine zweite Schaltkulisse bietet die Möglichkeit, sich manuell mit den Fähigkeiten der Technik zu messen. Lässt man der Kraft des Aggregates ihren Lauf, wird Vortrieb bis zu 230 km/h erreicht.

Der filigranen und gleichermaßen doch ergebnisorientierten Arbeitsweise des Sechszylinders lauschen zu wollen, bedarf präziser akustischer Wahrnehmungsfähigkeiten. Ein leises und feines Summen verrät, dass das monoton-kraftvolle Gleiten doch nicht der längst fällige Beweis für die Existenz des Perpetuum mobiles ist. Der zweite nachhaltige Niederschlag für diese These offenbart sich an der Zapfsäule bei fast 13 Litern Treibstoff für 100 Kilometer.

Souverän und gediegen präsentiert sich auch der Innenraum mit viel Leder, Holz, und verspielter Liebe zu geometrischen Formen. Das Gestühl ist an die Vorgaben der europäischen Konkurrenz angepasst, weist genügend Auflagefläche auf und hat die nötige Seitenführung. 420 Liter Stauvolumen im Kofferraum entsprechen den Bedürfnissen einer komfortablen Reiselimousine. Adaptiert an die Resultate der Wettbewerber mit Stern, vier Ringen oder Niere ist auch die Abstimmung des Fahrwerks, die als ausgewogen komfortabel aber nicht schwammig bezeichnet werden darf.

Was dem Cadillac CTS jedoch unnötige Steine in den Weg wirft, ist eine nicht mehr zeitgemäße EU-3-Schadstoffeinstufung. Dabei hätte man es sich bei effizienter Nutzung der vorhandenen Synergien einfacher machen können. Immerhin hat der derzeit darbende GM-Konzern eine modernere, 211 PS starke Motorvariante aus den Modellen Opel Vectra und Signum, die die EU-4-Norm erfüllt, in den Regalen.

Der Preis für den dergestalt zwar seiner Ursprünglichkeit beraubten, aber dennoch die historischen Gegebenheiten nicht außer Acht lassenden american way of drive: 38.500 Euro.

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