Erste Erfahrungen: Cadillac BLS

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Es gab Zeiten, da waren Cadillac-Fahrzeuge der Inbegriff für den in Stahlblech wahr gewordenen amerikanischen Traum von Größe, Komfort und Luxus. Von diesem Nimbus ist nicht mehr viel übrig geblieben, vielmehr kämpfte das zum GM-Konzern gehörende Unternehmen zuletzt mit riesigen Absatzverlusten. Doch scheint in den USA der Abwärtstrend gestoppt zu sein und so können sich die Amerikaner verstärkt auf den europäischen Markt konzentrieren.

Hier soll das neue Mittelklassemodell BLS für Umsatzsteigerungen sorgen, wenn auch die angestrebten Absatzzahlen insgesamt sehr bescheiden sind. Für Europa rechnen die Verantwortlichen mit 10.000, für Deutschland mit nur rund 500 bis 1.000 Fahrzeugen pro Jahr. Im Vergleich mit den Verkaufszahlen eines VW Passat oder einer Mercedes C-Klasse sind solche Zahlen natürlich gering, doch für Cadillac wäre das Umsetzen seiner Verkaufsziele schon ein riesiger Erfolg. Fanden sich im Jahr 2005 in ganz Europa gerade mal 2.100 Käufer für die Produkte dieser Marke.

Der markante Auftritt des BLS polarisiert. Das bullige Erscheinungsbild der Stufenhecklimousine mit der großen Kühlergrill-Einheit und den auffälligen vertikalen Heckleuchten gefällt – oder eben nicht. Vor allem männliche Käufer sollen angesprochen werden, die sich mit der Wahl ihres Autos von der breiten Masse der hierzulande verkehrenden Business-Fahrzeuge unterscheiden wollen. Im Inneren setzt der Amerikaner auf klassische Tugenden: Ein aufgeräumtes Cockpit, gute Verarbeitung und dezente Anleihen bei Saab, wenn es um Interieurfeinheiten wie zum Beispiel die der Mittelkonsole, der Handbremse oder des Schlüssels geht. Immerhin rollt der BLS bei dem schwedischen Konzernbruder vom Band. Das kommt auch der Verarbeitungsqualität zu Gute.

Die Serien- und Sicherheitsausstattung ist – anders als bei Fahrvorstellung betont – nicht luxuriös, sondern eher klassenüblich. Erst die höheren Niveaus weisen eine Zweizonen-Klimaautomatik, Regensensoren, 17-Zoll-Felgen oder eine hochwertiges Bose-Audio-Einheit aus. Aber vielleicht unterscheidet sich die amerikanische Sprache bei dem Begriff Luxus von europäischen Gepflogenheiten. Um gegen die etablierte Konkurrenz in punkto Antrieb mithalten zu können, wird erstmals in einem Cadillac ein Turbodiesel verbaut. Der aus vielen Opel- und Saab-Fahrzeugen bekannte 1,9 Liter mit 110 kW/150 PS passt gut zu dem Auto. (Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h, Verbrauch: 6,1 Liter). Er bringt genügend Kraft an die Vorderachse, um es – je nach Bedarf – gelassen oder flotter angehen zu lassen. Das Fahrwerk ist auf Komfort ausgelegt, macht aber auch schnelle Kurvenfahrten klaglos mit. Wahlweise übernimmt beim Diesel ein Sechsgang-Handschalter oder eine Fünfgang-Automatik die Gangwechsel. Rund 70 Prozent aller Käufer werden sich wohl für den Selbstzünder entscheiden. Die restlichen Anteile machen die ebenfalls bekannten und leistungsstarken Benziner-Aggregate mit 175, 210 und 255 PS unter sich aus.

Was fehlt noch? Ein Kombi natürlich, denn die deutschen Mittelklasse-Fahrer lieben diese praktischen Gefährte. Nach Aussagen von Cadillac-Verantwortlichen ist zumindest das Nachdenken über eine solche Variante bereits angedacht. Ab dem 8. April stehen die BLS-Modelle bei den 35 deutschen Händlern. Ab 27.590 Euro beginnt die Preisliste, der Diesel ist ab 28.450 Euro zu haben.

Text: Elfriede Munsch

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