Erste Erfahrungen: Citroën C6

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Die Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag der Göttin, sind kaum beendet, da steht schon die Nachfolgerin auf den Felgen: Hatte Citroën, die große französische Automobilmarke mit dem double Chevron, dem legendären Doppelwinkel, im vergangenen Jahr Grund genug, mit Stolz auf die Geschichte der Oberklassenlimousine DS zurück zu blicken, so wird jetzt der Blick in die Zukunft gerichtet. Der neue C6 schließt nicht nur die letzte Lücke zwischen den Baureihen C1 und C8, sondern steht auch in der Erbfolge der großen französischen Limousinen, die den Doppelwinkel im Grill trugen: Der C15 V6 beförderte in Vorkriegszeiten Mafiosi wie Staatspräsidenten oder Filmsternchen gleichermaßen, die DS (aus der die Franzosen la déesse – eben die Göttin) machten, oder später CX und XM: Die technischen Erben des großen André Citroën hatten mehr an Avantgarde und Eleganz zu bieten, als nur den berühmten Deuxcheveaux, hierzulande als Ente ins Kuriositätenkabinett auf Rädern eingegangen.

Die erste Oberklassen-Limousine des neuen Jahrtausends aus dem Hause Citroën macht schon beim Hinsehen einen mächtigen, aber irgendwie doch zierlichen, weil lang gestreckten und flachen, grazilen, Eindruck: Mit einer Breite von 1,86, einer Höhe von 1,46 und einer Länge von 4,91 Meter wirkt der C6 mit seinem langen Radstand von 2,90 Meter fast schon majestätisch. Keine neue DS sicher, doch die Formensprache des neuen Jahrtausends ist eine andere als jene zu Zeiten de Gaulles oder von Kommissar Maigret. Zumal die sicherheitsrelevanten Forderungen des Airbag-Zeitalters gewisse Extravaganzen gar nicht mehr erst zulassen. Während die Frontpartie etwas an die Konturen von C4 und C5 erinnert, machen sich jenseits der A-Säule durch rahmenlose Verbundglas-Seitenscheiben, eine nach hinten stark abfallende Dachlinie und die vertieft eingesetzte und konkave Heckscheibe ein paar wehmütige Design-Erinnerungen bemerkbar. Integriert in den Kofferraum ist ein Spoiler, der ab Tempo 80 km/h selbständig ausfährt und bei höheren Geschwindigkeiten zur Fahrstabilität beiträgt.

Ein Oberklassen-gerechter Innenraum mit unaufdringlichem Chrom und Echtholzapplikationen sowie viel Kopf- und Ellbogenfreiheit sorgen dafür, dass sich in diesem Fahrzeug auch Zwei-Meter-Zeitgenossen und somit auch ein gewisser Jacques Chirac wohl fühlen. Der französische Staatspräsident ist übrigens schon ein stolzer Besitzer der neuen Limousine, aber, so Citroën-Sprecher Thomas Albrecht mit Nachdruck und hintergründigem Lächeln: Er hat ihn bezahlen müssen. Anderweitige Meldungen entsprechen nicht der Wahrheit. Digitale Anzeigen informieren über Geschwindigkeit, Drehzahl, Kühlmitteltemperatur und Tankinhalt. Alle anderen Informationen hält der mittig platzierte Bordcomputer mit optionalem Navigationssystem bereit. Das Head-Up-Display, das Informationen wie Geschwindigkeit und Navigationsanweisungen auf den unteren Teil der Windschutzscheibe projiziert, erlebten wir zuletzt in einer Corvette. Na ja, das dürften aber auch schon die einzigen Gemeinsamkeiten zwischen der französischen Noblesse-Karosse und dem US-Macho gewesen sein.

Das Motorenangebot für den C6 beschränkt sich derzeit auf zwei Aggregate: Ein Dreiliter-Benziner mit 211 PS und ein 2,7-Liter-HDI mit Partikelfilter und 204 PS. In beiden Fällen wird die Kraft über ein Sechsgang-Getriebe auf die Straße übertragen. Gekoppelt damit ist eine zweite manuelle Schaltkulisse, derer es angesichts der Arbeitsweise der Automatik jedoch nicht bedurft hätte. Unsere Erfahrungen mit beiden Modellen lauten nämlich als Erstes: Wie Sie hören, hören Sie nichts. Komfortabel rollen, null störende Akustik, einfach nur gleiten. Das ist große Citroën-Vergangenheit und offenbar auch Gegenwart und Zukunft. Da kommt Freude am Kilometer fressen auf, wenn denn die äußeren Umstände es zulassen. Aber auch einen C6 sans bouchon, eben einen staufreien C6, gibt es bei aller Innovationskunst der Franzosen (noch) nicht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt mit beiden Aggregaten bei 230 km/h. Durch sein üppiges Drehmoment von 440 Newtonmeter schon bei 1.900 U/min macht der Diesel mehr Spaß, trotz seines um 3.000 Euro höheren Anschaffungspreises, der sich durch den geringeren Durchschnittsverbrauch von 8,7 Litern Diesel pro 100 Kilometer (Benziner 11,2 Liter Superbenzin) relativiert. Im Herbst soll ein Vierzylinder-Diesel mit Schaltgetriebe das Motorenangebot erweitern. Das 2,2-Liter-Aggregat stammt aus der gemeinsamen Produktion von PSA und Ford.

Eine Renaissance erlebt die hydropneumatische Federung mit elektronischer Kontrolle im C6. Eine Dämpferregelung ermittelt entweder automatisch oder dem Wunsch des Fahrers folgend die passende, komfort- oder dynamikbetonte Abstimmung. Außerdem sorgt eine Niveauregulierung für eine konstante Bodenfreiheit. Ab einer Geschwindigkeit von 110 km/h senkt das System bei einer Fahrt auf ebener Fahrbahnoberfläche die Karosserie um zehn Millimeter ab, wodurch der Kraftstoffverbrauch durch einen geringeren Luftwiderstand gesenkt wird. Bei schlechter Wegstrecke sorgt das System für zehn Millimeter zusätzliche Bodenfreiheit. Wer es sportlicher mag, kann die Federung entsprechend straffer einstellen. In Sachen Sicherheit macht Citroën keine halben Sachen und setzt neben ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Traktionskontrolle auf neun Airbags und aktive Kopfstützen. Eine Weltpremiere ist die aktive Motorhaube. Die öffnet sich nicht etwa, wenn man nach dem Frostschutz schauen will, sondern ist ein Element des Passanten-Schutzes. Noch vor dem Auftreffen eines Fußgängers auf die Motorhaube hebt sie sich um 65 Millimeter an und federt den Aufprall ab.

Insgesamt gib es drei Ausstattungsvarianten (C6, Pallas, Exclusive), wobei schon das Basismodell Mehrzonen-Klimaautomatik, automatisch einschaltenden Bi-Xenonscheinwerfer, Scheibenwischer mit Regensensor, elektrisch verstellbare Vordersitze und eine CD-Radioanlage mit acht Lautsprechern aufweist. So nützliche Accessoires wie mitlenkende Scheinwerfer, automatisch abblendende Außen- und Innenspiegel oder das Head-Up-Display gibt es in den höheren Linien. Wie auch im C4 und im C5 bietet Citroën im C6 auch den Spurassistenten AFIL (der Poporüttler durch Infrarot-Linienerkennung), Einparkhilfen vorn und hinten sowie eine elektronische Parkbremse an.

Die Preisliste beginnt bei 42.500 Euro, die Pallas-Version ist 3.000 Euro teurer. Das Topmodell Exclusive kostet 51.900 Euro. Jeweils 3.000 Euro teurer sind die Dieselmodelle. Im ersten vollen Verkaufsjahr 2007 rechnet Citroën in Deutschland mit 6.000 Einheiten, das sind rund drei Prozent in diesem Fahrzeug-Segment. Dafür steht dann auch das bekannte Fahren wie Gott in Frankreich unumschränkt zur Verfügung.

Text: Jürgen C. Braun

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