Rückblick: Detroit Motor Show 2006

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Das automobile Jahr fängt traditionsgemäß mit großem Getöse an: Heute schloss die Detroit Motor Show 2006 ihre Pforten. Groß, größer – und ein wenig umweltfreundlich: Die Hersteller zeigten, was sie können, wollen und dürfen – und was sie können wollten, wenn sie nur dürften. Chrom glitzerte überall, serienmäßig schöne Hostessen bevölkerten die Stände und jeder Hersteller bemühte sich, seine Produkte ins beste (Scheinwerfer)-Licht zu rücken.

Die USA sind immer noch der wichtigste Absatzmarkt. Im vergangenen Jahr stagnierte der Verkauf bei rund 17 Millionen Fahrzeugen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten geht doch nicht mehr alles und vor allen Dingen fährt nicht mehr alles. Steigende Benzinpreise lassen auch die Amerikaner an sparsamere Modelle denken. Und angesichts der vielen zerstörerischen Naturgewalten, wie sie besonders der Süden der USA erlebte, erkennen viele US-Bürger den Zusammenhang Umweltverschmutzung und Klimawandel. Daher ist ein Trend in Detroit ganz klar zu erkennen: Die Hersteller geben sich umweltfreundlich. Zum einen dreht sich vieles in Detroit um Hybrid-Antriebe.

Wussten vielleicht vor einem Jahr noch nicht jeder Hersteller, was man mit der Kombination aus Benzin- und Elektromotor alles anfangen kann, zeigen die (Verkaufs)-Erfolge der Japaner, allen voran bei Toyota und Honda, dass diese Fahrzeuge nicht nur gut fürs Image sind, sondern dass man auch damit Geld verdienen kann. So stehen in Detroit der Toyotas Bestseller in den USA der Camry mit einem Hybrid-Antrieb oder der Konzept Mini-Van F3R mit ebenfalls einer Kombination aus Benzin und Elektro-Motor, Ford zeigt beim Reflex einen Diesel-Elektro-Hybrid-Motor.

Eine andere umweltfreundliche Alternative ist das Fahren mit Alkohol. Ein paar kleine Änderungen im Motormanagement und schon können normale Serienautos bei Saab und Ford mit diesem Treibstoff fahren. Also lieber Promille im Tank als Promille in der Blutbahn: So lautet wohl hier das Motto. Mercedes unternimmt einen neuen Versuch, den Diesel-Kraftstoff salonfähig zu machen. Dazu bemüht das Stuttgarter Unternehmen auch gleich Superlative und verspricht den saubersten Diesel der Welt, dessen Abgase nun auch frei von Stickoxiden sind. Und weil das Kind einen wohlklingenden Namen braucht, formieren sich die sauberen E-Klasse-Sternautos unter der Bezeichnung Bluetec.

Aber Detroit wäre nicht Detroit, wenn es nicht auch große und größere Autos zu bestaunen gäbe. Außerhalb der Großstädte ist der Parkraum ja nicht knapp. Und Verbräuche? Darüber spricht man nur am Rande, ähnlich wie beim Thema Geld. Und irgendwie gibt es einen tieferen Zusammenhang zwischen beiden Angelegenheiten. So spricht der Mercedes S 65 AMG mit 450 kW/612 PS, der Audi S6 mit 309 kW/420 PS, der BMW Z4 Roadster in der M-Version mit 252 kW/343 PS oder ein Porsche Cayenne Turbo S mit 377 kW/513 PS sicherlich die gut betuchte Klientel an, der es egal ist, ob der Wagen durchschnittlich fünfzehn oder zwanzig Liter verbraucht. Aber auch Liebhaber amerikanischer Autos brauchen in diesem Jahr weder auf PS-Protze noch auf Hubraum oder Umfang zu verzichten. Die Chrysler Studie des luxuriösen Mobile Imperial mit einem Hemi-V8-Motors, der Dodge Challenger oder der Shelby GT 500 versprechen alle Leistung um die 500 PS und lassen vermutlich bei den Tankstellen-Betreibern den Umsatz in die Höhe treiben. Nicht vergessen sollen dabei die Geländewagen werden wie der Audi Q7, der Cadillac Escalade, der Mercedes GL, der Jeep Compass, der neue Hyundai Santa Fe, der Ford F250 oder der Toyota FJ Cruiser.

Klein, aber fein steht dagegen über dem kompakten Volvo C30, der in der Golf-Klasse punkten will. Honda zeigt den Fit und Mini präsentiert die Studie Go Sports, die in ähnlicher Form zur Serienreife gebracht werden soll. Apropos Studien: Natürlich präsentieren die Hersteller auch wieder Autos, die noch in der Ausprobier-Phase sind. Nach dem Motto: Guck mal, was das Publikum oder die Fachpresse spricht, können die Automobilbauer testen, was ankommt oder was gleich besser zurück in die Schrottpresse geht. Hingucker sind dabei sicherlich das Audi Roadjet Concept oder der Mazda Kabura. Der Lexus LS 460 ist inzwischen mit einem 4,6-Liter-Achtzylinder-Aggregat mit rund 380 PS aus dem Studien-Dasein raus gewachsen und strebt nach Vollendung. Mitte 2006 kann man sich dann überzeugen, wie die Japaner Oberklasse definieren.

Text: Elfriede Munsch