CD-Tipp der Woche

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Genesis Project – The Cryme of Selling Lambs after Genesis (NBB)

Das sind doch Genesis in ihrer produktiven Experimentierphase zwischen 1971 und 1975! Möchte man beim Betrachten des Covers meinen, und das Spiel mit den Augen ist sicher absolut gewollt: Denn die Herren auf dem vermeintlichen Genesis-Cover sind nicht Peter Gabriel und Co., sondern Kammermusiker.

Pardon, möchte man zunächst ungläubig fragen: Kammermusik heißt so, weil der Wortteil Kammer Programm ist: Síe ist gekennzeichnet durch ihren eher leisen und unaufdringlichen Charakter und paßt viel eher in eine Kammer als in einen großen Saal, für den es schon eher eine große, üppige Orchestrierung braucht. Lernt man jedenfalls normalerweise im Musikunterricht.

Und ausgerechnet eine Bearbeitung in diesem Sinne soll auf die Werke von Genesis passen? Und zwar nicht auf Werke aus der Genesis-Ära des eher gefälligen Pop, sondern auf die legendären Alben der Peter-Gabriel-Zeit:Selling England by the Pound, The Lamb Lies Down On Broadway undNursery Crime waren ja gerade gekennzeichnet durch ausgesprochene Auffälligkeit.

Umso verblüffender, dass den Kammermusikern Alberto Bocini, Alessandro Cavicch und Andrea Baggio das Experiment gelingt. Zum Beispiel mit dem bekannten carpet crawl von 1974. So entsteht hier keines der 08/15-pop-meets-classic-Vorhaben, sondern ein Crossover-Projekt im ganz wörtlichen Sinne: dass man zusammenbringt, was nach üblicher Lesart nicht zusammenpaßt – und dann die übliche Lesart widerlegt.

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