Erste Erfahrungen: Audi S8

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Dass das Auto in diesem Jahr irgendwo unter dem Gabentisch stehen wird, ist eher unwahrscheinlich. Nicht erst wegen des Termins der Markteinführung, der noch ein paar Monate auf sich warten lässt. Audi zeigt aber mit dem neuen S8, was an vor-Silvesterlichem Feuerwerk in der Automobilbranche möglich ist, wenn Emotion und Ingenieurskunst eine Allianz miteinander eingehen.

Don Henley bearbeitet die Drums mit einer nicht enden wollenden Verve, dass dem Zuhörer bang um das gemarterte Instrument wird und Gitarrist Glenn Frey taucht derweil schon mal als Erster ins Hotel California ab. Die Eagles sind wieder da! Auch hier, im Interieur des knapp 100.000 Euro teuren Prachtmobils aus Ingolstadt. Eine 1.000 Watt starke Anlage von Bang & Olufsen, für schlappe 6.000 Euro zu haben, macht aus dem derzeit leistungsstärksten Ingolstädter einen rollenden HiFi-Konzertsaal.

Die perfekte Audio-Beigabe ist nur eines von zahllosen technischen Glanzstücken der Nobel-Limousine mit den vier Ringen, die das S ziert. Dazu gehören der Allradantrieb quattro, besonders sportliche Motoren und ein entsprechendes Design, jetzt mit dem neuen Single-Frame-Gesicht. Ein dezenter Heckspoiler, vier mächtige ovale Auspuff-Endrohre und ein dezenter, aber muskulöser Alu-Auftritt zieren das Chauffeurs-Fahrzeug, das in Ingolstadt eine neue Ära einläutet.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Hauses wurde ein Serienmodell mit einem Zehnzylinder-Motor ausgerüstet. Das 5,2 Liter große und 450 PS starke Aggregat baut auf dem Herzstück des zu Audi gehörenden Lamborghini Gallardo auf, wurde für den S8 aber in wesentlichen Teilen neu entwickelt und unter anderem mit Benzin-Direkteinspritzung ausgestattet.

Ab Werk rollt der Audi S8 auf 20-Zoll Aluminium-Gussfelgen und 265er Schlappen. Serienmäßig hat der neue S8 eine sechsstufige Tiptronic an Bord. Dem Charakter der Sportlimousine entsprechend, ist die Endübersetzung der Automatik kürzer als beim A8 gewählt.

Ein Drehmoment von 540 Newtonmeter, Keramik-Bremsen, die in diesem Falle nichts mit Porzellan zu tun haben, sondern eine leistungsverlustfreie Lebensdauer von gut 300.000 Kilometern garantieren, Kurven- und Tagfahrlicht und eine mitdenke Zurückfahr-Kamera zum Einparken und Manövrieren: Das alles zeigt in Verbindung mit einem lückenlosen Komfort- und Sicherheitssystem, dass der S8 wohl in erster Linie ein Auto für Leute ist, die nicht sehnsüchtig auf die Lohnsteuer-Rückerstattung warten. Kein Wunder, bei einem Basispreis von 97.600 Euro.

Zu unseren ersten Erfahrungen beim Umgang mit diesem komfortablen Supersportler: Der Tritt aufs Gaspedal setzt – wen wundert's – Adrenalinstöße frei. Nicht nur wegen des Sprints in 5,1 Sekunden von Null auf 100, nicht nur wegen der limitierten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h, sondern auch wegen des unnachahmlichen Sounds des V10-Aggregats, das die oben erwähnten Lambo-Gefühle erzeugt.

Aus der Tiefe der Alu-Karosse faucht die Kraft der 450 Pferde und schüttelt sich wohl selbst vor Lachen ob der vom Werk angegebenen 13 Liter Superkraftstoff für 100 Kilometer. Indes: Den stolzen Besitzer wird's nicht zu Tränen rühren. Potentielle Käufer dürften ohnehin unter die Reichensteuer der neuen Bundesregierung fallen!

Was diese Klientel noch besonders stolz machen dürfte: Sie sind nun unter der Haube sogar noch besser bestückt als ein Formel-1-Fahrzeug. Die Königsklasse des Motorsports rudert nämlich im nächsten Jahr zurück von V10 auf V8-Motoren und da macht die Gewissheit, einen Zehn-Zylinder mit Lamborghini-Stier bewegen zu dürfen, die Unterschrift unter den Scheck sicherlich noch etwas schwungvoller.

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