Nach-Lese: Frankfurter Buchmesse 2005

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Rekorde, Rekorde, Rekorde: Aussteller und Besucher drängelten sich auf der Frankfurter Buchmesse 2005. Und die wurde wahrscheinlich mehr als die Messen früherer Jahre ihrem Namen gerecht. Auch wenn Hörbücher, Film und Fernsehen ihren Platz fest behaupten, ging es doch in hohem Maße ums Gedruckte. Eine Buchmesse und auch eine Medienmesse war es, genau in der Reihenfolge und nicht etwa umgekehrt.

Die traditionelle Rolle des Gastlandes ging an Korea, und so war mit Blick auf das geteilte Land natürlich dem politischen Buch allgemein eine besondere Plattform gegeben. Aus der Vielzahl der Veröffentlichungen ragt z. B. Thomas Wieczorek mit seiner schonungslosen Analyse Die Stümper heraus, die sich Politikern und ihrem Tun im – politisch gesehen – leicht chaotischen Jahr 2005 beschäftigt. Wobei man diese Analyse wohl eher als Denkanstroß denn als dogmatische Schrift verstehen darf. (Droemer Knaur; 8,95 Euro).

Wer sich für Mobilität, Verkehr und insbesondere Autos interessiert,ist mit den neuen Veröffentlichungen eingeladen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Herausragend sicherlich das Monumentalwerk von Simon Arron und Mark Hughes: Formel 1 seit 1950 – Alle Wagen. Alle Fahrer ist eine lückenlose Chronik des Rennsports, in Wort und Bild – auch ein gutes Weihnachtsgeschenk. (Motorbuch Verlag; 49,90 Euro). Wer jenseits des Rennsports ein Faible für ausgefallene Serienautos hat, sollte sich noch etwas in Geduld üben: Der Heel Verlag bereitet eine umfassende Dokumentation zum 50. Geburtstag des legendären Citroën DS vor, die noch in diesem Jahr zur Veröffentlichung vorgesehen ist. Einen Schwerpunkt auf Nutzfahrzeuge legt der Podszun Verlag u. a. mit Das Lastwagen-Album: Magirus von Bernd Regenberg (44,90 Euro).

Indes: Mobilität ist ja auch im übertragenen Sinne ein Freiheitsbegriff, und als solcher taucht er immer wieder in den Liedern von Reinhard Mey auf. Der wohl erfolgreichste deutsche Liedermacher hat im Gespräch mit dem Schriftsteller Bernd Schroeder eine Art Zwischenbilanz seines Lebens und seiner Karriere gezogen. Nachzulesen ist da neben einem Querschnitt repräsentativer Mey-Texte z. B. auch, warum seine vor vielen Jahren erworbene Zündapp für ihn bis heute unvergeßlich geblieben ist. Immerhin ist Reinhard Mey inzwischen 62, kann auf eine fast vierzigjährige Karriere blicken und müsste sich nicht unbedingt noch an eine Zündapp erinnern…(Reinhard Mey/Bernd Schroeder: Was ich noch zu sagen hätte. Kiepenheuer & Witsch Verlag; 19,90 Euro).

Und wer sich über einen Stau oder über ein nicht anspringen wollendes Auto gelegentlich ärgert, dem sei die Gastlichkeit in üppigen und sparsamen Zeiten von Sibyl Gräfin Schönfeldt ans Herz gelegt (Arche Verlag; 25 Euro). Sorgfältig und mit viel Liebe zu schöner Bebilderung wandelt die Autorin auf den Spuren von Theodor Fontane und seiner Zeit. Die Freude am Bewirten und an der gemeinsamen Mahlzeit forderte Zeitaufwand und Sorgfalt – wie übrigens auch das Reisen. Unter anderem seine Wanderungen durch die Mark Brandenburg (bzw. ihre Verschriftung) haben Fontane berühmt gemacht. Ein in seiner Zeit bevorzugtes Getreide geriet zunächst in Vergessenheit und wurde erst durch die Internationalisierung der Küche und das Aufkommen der Vollwertkost wieder salonfähig. Heute weiß man allgemein um die vielen Vorzüge der Hirse – wie damals auch, in üppigen und gerade in sparsamen Zeiten.

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