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Jürgen Leinemann: Höhenrausch; Karl Blessing Verlag; 20,00 Euro

Wer sagt, ein politisches Buch könne nicht spannend sein, der hat noch nicht in Jürgen Leinemanns Höhenrausch gelesen. Der erfahrene Spiegel-Autor beobachtet mit journalistisch-kritischem Blick seit fast vier Jahrzehnten das Treiben der politischen Klasse. Aus dem Nähkästchen hat Leinemann ja bereits seit vielen Jahren in seinen Beiträgen über die politisch Handelnden im Spiegel geschrieben und dabei manch interessante aber auch erschreckende Information für die Leser aufbereitet.

Mit dem Buch Höhenrausch widmet sich der Autor jetzt ganz speziell den Veränderungen, die Politiker im Laufe ihres Tuns durchmachen. Leinemann spricht von der Droge Politik, dem fortschreitenden Realitätsverlust als Suchtsymptom bei den Berufspolitikern. Die einzelnen Generationen der Nachkriegspolitiker werden beschrieben, mit all ihren Schwächen und Stärken. Ihr Handeln bei einschneidenden Ereignissen, etwa dem Atomunfall in Tschernobyl oder dem Fall der Mauer erzählt Leinemann, der als einer der führenden Politik-Journalisten unseres Landes immer auf Tuchfüllung mit den Protagonisten war; berichtet wertend und parteiisch. Dabei wird er jedoch niemals von persönlichen oder politischen Vorlieben oder Interessen geleitet.

Ernüchternd ist das Fazit von Jürgen Leinemann: Von Generation zu Generation werden die Politiker schicksalsärmer, farbloser und austauschbarer – und die Politikverdrossenheit immer stärker!

Fazit: Unbedingt lesen und danach manches besser verstehen und einordnen können.

Jürgen Leinemann wurde 1937 geboren, studierte Geschichte, Germanistik und Philosophie. Journalistische Tätigkeit als dpa-Korrespondent in Amerika und Deutschland, seit 1971 für den Spiegel tätig, Reporter und Büroleiter in Washington und Bonn, Chef des Ressorts Deutsche Politik von 1990 bis 2001 in Berlin. Seit 2002 ist er als Autor für den Spiegel tätig und gilt als intimer Kenner der deutschen Polit-Szene.

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