Buchtipp der Woche

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John O'Donohue: Schönheit. Das Buch vom Reichtum des Lebens.
Deutscher Taschenbuch Verlag; 15 Euro.

Vieles, wenn nicht fast alles, scheint sich in unserer Zeit um das Thema Schönheit zu drehen. Dem widerspricht der irische Autor John O'Donohue: Der Philosoph, der 1990 an der Universität Tübingen promovierte, hält Schönheit für ein bei uns viel zu sehr vernachlässigtes Phänomen. Sein Buch zu diesem Thema stürmte in Irland sofort nach Erscheinen die Bestenlisten. Nun ist es auch in deutscher Sprache erschienen. Im Gespräch mit dem Team von KÜS magazin löste der Autor sein scheinbar paradoxes Anliegen auf.

Mr. O'Donohue, Ihr neues Buch handelt vom Thema Schönheit. Warum?

Ich habe in Irland, genauer in Maynooth, Literatur und Philosophie studiert. Im Studium bin ich auf Platon gestoßen. Und fand heraus, dass in der Antike das Thema Schönheit ein sehr wichtiges war. In der westlichen Spiritualität hingegen wird dieses Thema absolut vernachlässigt; sie konzentriert sich viel zu sehr auf die Sündhaftigkeit des Menschen. Außerdem bin ich überzeugt davon, dass alle globalen Krisen, von denen zur Zeit so viel zu hören ist, eine Ursache in der Vernachlässigung des Themas Schönheit haben.

Man sollte meinen, in der vielbeschworenen Spaßgesellschaft würde das Thema Schönheit doch viel zu sehr übertrieben.

Nein – was Sie da ansprechen, ist Glamour. Das hat aber mit der Schönheit, die ich meine, nichts zu tun. Lassen Sie mich zwischen Glamour und Schönheit unterscheiden, ebenso zwischen Phantasie und Imagination. Der Glamour, hinter dem inzwischen eine Billionen-Industrie steht, bedient die Phantasie. Schönheit jedoch ist mit Innerlichkeit verbunden und beflügelt die Imagination.

Können Sie Ihre Auffassung an einem Beispiel erläutern?

Selbstverständlich. Ich lebe in Irland und habe mich dort vor einigen Jahren, zusammen mit anderen Menschen, für die Erhaltung eines Berges eingesetzt. Dieser Berg, eine echte Naturschönheit, sollte für ein Touristenzentrum geopfert werden. Genau dies haben wir wirklich verhindern können. In einem solchen Sinne verstehe ich mein Buch Schönheit als eine Rückbesinnung. Eine Rückbesinnung auf die Transzendentalien des Thomas von Aquin. Eine davon ist die Schönheit.

Wodurch könnte eine solche Rückbesinnung eingeleitet werden?

Zum Beispiel dadurch, dass man lernt, die Augen für eine Form von Innerlichkeit überhaupt offen zu halten – oder zu öffnen! Mein Schönheitsbegriff hängt überhaupt nicht mit materiellem Luxus zusammen. Nehmen Sie einmal das Gemälde von Albrecht Dürer Salvator Mundi. Es hängt im New Yorker Metropolitan Museum und zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Das ist eine Form von Schönheit – der Erlöser, so wie er von Dürer dargestellt wird. Übrigens: Auch die Religion muss darauf achten, die Schönheit als Thema nicht aus dem Blick zu verlieren. Denn wenn sie sich nur auf das Moralische reduziert, dann kann von ihr keinerlei Anziehungskraft mehr ausgehen.

Mr. O'Donohue, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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