Test-Tour: BMW X3 und X5 3.0d

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In der Autoindustrie galt jahrelang die Plattform-Strategie als das Gewinn fördernde Allheilmittel. Auf einer technischen Basis, der Plattform, entstanden möglichst viele unterschiedliche Autos. Bei BMW war man diesbezüglich schon immer einen Schritt weiter. In den Münchner Modellen kann man quasi alle technischen Innereien sinnvoll von einem Modell zum anderen anpassen. Besonders gut gelingt das mit den Motoren, aber auch mit Fahrwerksteilen, Getrieben, Klimaanlagen, Instrumenten und Lichtsystemen. Wie sich solcherart verwandte Autos im Vergleich anfühlen, wollen wir mit einem Alltagstest des BMW X5 und seinem kleinen und jüngeren Bruder, dem X3 herausfinden.

Mit dem X3 erweiterte BMW im vergangenen Herbst sein Angebot an sportlichen Geländewagen. Er verhält sich zum X5 wie der 3er zum 5er. Beide haben das so genannte X-Drive-Fahrwerk, das elektronisch gesteuert die Antriebskräfte auf die einzelnen Achsen und Räder verteilt. Und beide gibt es mit dem famosen 3,0-Liter-Diesel mit Commonrail-Einspritzung der zweiten Generation.

Im Alltagstest:
Außen:
Der X5 ist das stattlichere Auto. Größer, breiter, luxuriöser. Dabei steht ihm der X3 beim Raumangebot kaum nach. Er wirkt nur kompakter. Und er ist, anders als der X5, eindeutig als BMW der Ära Chris Bangle zu erkennen: Moderner, aber nicht unbedingt gefälliger.

Innen:
Das setzt sich auch beim Interieur fort. Hier nimmt der X3 die Designsprache des Z4 auf und bereitet den 1er BMW ein bisschen vor, während der X5 die klassische Linie des alten 5ers pflegt. Beides ist funktional und gefällig, der X5 scheint hochwertiger. Platz bieten beide reichlich, allerdings sitzt man im X3 hinten mit langen Beinen weniger bequem. Für Gepäck stehen 480 (X3) und 465 (X5) Liter Raum zur Verfügung, die sich im X5, der zwei geteilten Heckklappe wegen, etwas schlechter beladen lassen. Dafür kann man im X3 nicht auf der umgeklappten unteren Hälfte sitzen, was im Gelände beim Picknick schon mal reizvoll sein kann.

Fahren:
Im Gelände können beide etwa gleichviel und allemal genug, um Feldwege und trockene Wiesen gefahrlos zu befahren. Interessanter ist der Straßenbetrieb. Hier hat der X5 vom X3 profitiert. Das neue Fahrwerk bietet bislang bei diesen Autos nicht gekannte Reserven und kommt fast an die Qualitäten des Porsche Cayenne heran. Vor allem der X3 ist ungeheuer agil und kurvenfreudig. Dafür vermittelt die Federung die Härten des Straßenlebens weniger gefiltert als der X5. Naturgemäß hat der Diesel mit den 1,9 Tonnen des X3 leichteres Spiel als mit den 2,2 des X5. Er beschleunigt flotter und wirkt noch souveräner. Auch der X5 ist ein souveräner Kraftwagen im wörtlichen Sinne. Mit 500 Nm Drehmoment (im X3 nur 410 Nm) gehört dieser Diesel zu den Kraftprotzen unter den Motoren. Im X5 leistet der Motor 218 PS, im X3 204 PS. Die unterschiedliche Leistung lässt einen Respektabstand zum größeren Modell und liegt wohl an der anderen Abgasführung. Die Höchstgeschwindigkeit der beiden Autos wird elektronisch auf 210 km/ begrenzt. Wer schneller fahren will, muss spezielle Reifen ordern. Trotzdem ist der Diesel genügsam und begnügt sich im Mittel unseres Alltagstests mit 10,1 l (X3) und 10,8 l Diesel auf 100 km. Die Normverbräuche liegen bei 8,4 und 8,6 Litern.

Preise:
Für den X3 3.0d verlangt BMW mindestens 40.300 Euro. Im Schnitt werden für Extras rund 8.000 Euro dazu kommen. Das ist beim X5 ähnlich. Hier kostet der Diesel 44.250 Euro.

Fazit:
Der X3 ist der junge Wilde mit sehr guten Anlagen, der X5 ist schon gereift. Beide sind ziemlich teuer und für SUVs ziemlich agil. Der X3 hat Lieferzeiten, der X5 nicht.

(Text: Günter Weigel)

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