Buchtipp der Woche

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Pierre Boom/Gerhard Haase-Hindenberg: Der fremde Vater. Der Sohn des Kanzlerspions Guillaume erinnert sich. Aufbau Verlag; 22,50 Euro.Für die Bundesrepublik Deutschland war sie der Auslöser einer Krise, für den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt 1974 der Grund seines Rücktritts. Gravierende Folgen hatte die Enttarnung des Kanzlerreferenten Günter Guillaume und seiner Ehefrau als DDR-Spione auch für den gemeinsamen Sohn Pierre. Für ihn bedeutet dies schlicht das Ende seiner Kindheit. Unter dem Titel Der fremde Vater erinnert sich Pierre, der heute als Fotoreporter arbeitet und den Geburtsnamen seiner Mutter angenommen hat, genau 30 Jahre später an die Ereignisse von damals. Der vom Sohn idealisierte, weil fremde Vater bleibt ein solcher, bis zu seinem Tode 1995. In der DDR, wohin Pierre nach der Verurteilung seiner Eltern übersiedelt, bleibt Pierre Guillaume seinerseits ein Fremder. Schließlich verlässt er dieses Land wieder – die Annäherung hat, trotz aller Versuche, nicht funktioniert. Pierre Boom und Co-Autor Gerhard Haase-Hardenberg zeichnen ein persönliches Bild, jeder aus seiner Perspektive, was einen interessanten Vergleich ermöglicht. Ein Aufklärungsbuch über den Fall Guillaume ist es – zum Glück – nicht geworden.

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